Paradox der Versöhnung

Vielleicht ist es keine „goldene Regel“, aber sicher eine Option: Nicht darauf zu bestehen, dass der/die andere doch bitte versteht, dass er/sie Unrecht hat. Oder wie verletzend sein/ihr Verhalten ist. Denn, so meine Erfahrung, die Versöhnung liegt fast nie beim Gegenüber, sondern bei mir.

Ich hatte über Ostern Zeit, vergangene Kräche und Versöhnungen zu rekapitulieren. Das erstaunliche Fazit war, dass ich mich angegriffen, ja vernichtet gefühlt habe, während ich auf der anderen Seite als extrem souverän wahrgenommen wurde. Dass sich der/die andere klein fühlte, und mir gar nicht unbedingt das Gefühl geben wollte, klein zu sein, sondern eher, mir endlich auch mal einen Kratzer im Lack zu verpassen. Also aus einer Unter-, und keineswegs einer Überlegenheit heraus. Oder dass sich jemand extrem abhängig von mir fühlt, weil er oder sie mich gerne mag. Und sich vor sich selbst souveräner fühlen möchte, statt – wie ich das missverstanden habe – mir Desinteresse zu signalisieren.

Das sind natürlich nur Beispiele. Und es geht mir gar nicht darum, gemeine, fiese Menschen zu verstehen. Denen kann man nur aus dem Weg gehen. Versöhnung ist jedoch für mich immer die erste Option bei Freund/innen und Verwandten oder Kolleg/innen. Und sie ist auch nötig, damit die eigenen Verletzungen heilen. Menschen können schließlich auch an emotionalen Blutvergiftungen elend zugrunde gehen.

 

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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