Alltag neu denken

Meist ist es am Ende eben doch der Körper, der laut NEIN schreit. Und wenn wir Glück haben, ist es dann nicht zu spät, sondern es bleibt Zeit, sich das Leben und den Alltag neu zu ordnen.

Ich rede vom Leben im „Midlife“, das eben fast – wie es scheint – automatisch mit „crisis“ oder eben Krise verbunden ist. Ist es. Zumindest in meiner Erfahrung. Nichts Schlimmes, eher vieles Unerledigte und Verschlampte, das sich da auftürmt und plötzliches Nicht-Funktionieren nach sich zieht.

Für mich heißt Burnout nicht automatisch aussteigen oder Ferien machen. Wobei die freie Zeit durchaus wieder in den Vordergrund kommt – und auch kommen muss. Leben, nicht arbeiten, die Reihenfolge hat sich bei mir in den letzten Monaten wieder umgedreht. Für Leute wie mich, die gerne arbeiten, geht das meist unmerklich.

Ich suche gerade nach anderen „Fallen“. Zum Beispiel der, mich immer für alles verantwortlich zu fühlen. Ich erinnere mich noch gut an die Klage meiner Mutter: „Immer muss ich alles machen“ oder wahlweise: „immer bleibt alles an mir hängen.“ Dabei, das hatte ich als Kind sehr genau gesehen, blieb es nie an ihr hängen, sondern sie machte es, bevor es jemand anderes machen konnte. So geht es mir auch: Sobald irgendwo ein Problem auftaucht, fühle ich mich dafür verantwortlich. Es stört mich, wenn Unerledigtes rumliegt, also wird es schnell angegangen und ist dann auch schon wieder vom Tisch. So schön, so gut. Bis sich dann dieser Gedanke meldet: „immer bleibt alles an mir hängen“… – Und es ist gar nicht so leicht, dieser Falle – und vor allem der Unzufriedenheit, die daraus resultiert – auf die Spur zu kommen!

Ich muss also lernen: Wenn es etwas gibt, was nicht allein in meine Zuständigkeit fällt, muss ich sehen, wie es mit den anderen eine gemeinsame Lösung gibt. Ich kann einen Teil anbieten, muss aber längst nicht alles machen. Und vor allem nicht, bevor die anderen überhaupt mitkriegen, dass da was im Argen liegt. Das habe ich diese Woche gelernt. Und jetzt gehe ich erst mal einkaufen. Ich habe nämlich Gäste heute Abend. Obwohl ich eigentlich arbeiten müsste. Aber so ist das jetzt eben: Leben first!

 

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 7

    • Stephanie Jaeckel 21. Juli 2018

      Ups, nee, ich wollte damit nicht sagen, dass es zwangsläufig jede und jeden trifft. Nur wenn, dann meistens im „fortgeschrittenen“ Alter… weil, ja weil es viel eher die eingeschliffenen Gewohnheiten sind, an denen ich mich zumindest aufreibe, unbemerkt. Auf eine Art finde ich die Zeit gerade aber auch sehr spannend. Ich versuche, mein Leben von außen zu sehen. Gar nicht so einfach…

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