Schreiben als Triathlon

Mindestens. Heute dachte ich: Es entsteht eine Schrift (und damit eine Art Zeichnung), eine Strophe mit Sprachmelodie und Rhythmus, nicht zuletzt eine Geschichte, eine Beschreibung, eine Ansprache. Wir können nicht so tun, als sei Schreiben nur eins: Das Zimmern eines Denkraums. Oder: Als seien es nur Wörter. Es sind ja auch die Pausen dazwischen. Der Widerstand der Konsonanten oder die losen Fäden einer zu schnellen Idee. Oder: Stanzen Sie mal ein exaktes Loch zwischen zwei Sätze (nichts ist langweiliger, als wenn der zweite Satz da anfängt, wo der erste aufhört). Und schreiben Sie sich mal aus einem Abgrund heraus. Denn meist ist ein Abgrund das Aufregende im Text, nicht der bequeme Weg von A nach B. Wir machen so viel, wenn wir nur einen Satz schreiben. Linearität ist dabei ein Irrlicht. Natürlich fängt ein Satz vorne an und hört hinten auf. Aber wie viele Richtungen er zwischendurch noch einschlagen kann – und manche Autor/innen können sogar im Rückwärtsgang schreiben. Nein, das ist natürlich nichts Neues unter der Sonne. Ich staune nur immer wieder, dass wir der Sache nicht auf die Spur komme. Wir setzen uns an den Schreibtisch, konzentrieren uns und am Ende steht etwas auf dem Papier. Vielleicht sehen Fliegen ja mehr. Ich habe gelesen dass sie schneller gucken als wir, weil – tja, den Teil habe ich vergessen. War es wirklich, weil sie kürzer leben? Vielleicht können sie erkennen, wie viele Bewegungen wir machen – einer hundertarmigen Göttin vergleichbar – während unsereins denkt, nur einen Stift weiter übers Blatt zu schieben. Aber genug. In Wahrheit bin ich viel zu müde, um auch nur einen weiteren Buchstaben zu tippen. Das Foto zeigt übrigens einen gelungenen Satz: Hier spielen die Wörter, Silben, Klangfarben und Ideen fangen…

 

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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