Zeit haben

Heute war der erste Sonntag seit Monaten, an dem ich frei hatte und zu Hause war. Endlich Zeit, mal nur rumzuschmökern, zu telefonieren, Kekse zum Kaffee zu essen, Papierstapel in die Papiertonne zu verkleinern, zu dösen. Was für ein gutes Gefühl. Denn es sind aus den Stapeln so einige Telefonnummern, Termine und andere Dinge gepurzelt, die ich ganz vergessen hatte, die wiederzufinden aber eine große Erleichterung sind. Ich habe über die letzte Woche nachgedacht, über schöne Begegnungen, über Dinge, die mir in diesem Jahr gut gelungen sind. Aber mir ist auch noch einmal klar geworden, wie verschieden ich Zeit wahrnehme. Sobald der Terminkalender voll ist, scheint die Zeit in jedem Moment nicht nur knapp, sondern auch noch in sich geschrumpft zu sein. Erst an einem Nachmittag wie heute, schwingt sie wieder, hat eine eigene, wie dahingleitende Präsenz, während sich die Hektik der Arbeitstage nur im Vorrücken der Zeiger manifestiert. Zeit zu haben, ist ein schönes Gefühl. Tatsächlich: wenn eine Katastrophe passiert, zum Beispiel wenn ein vertrauter Mensch stirbt oder man einen Unfall hat, bleibt die Zeit stehen. Offensichtlich ist Zeit etwas, was wir brauchen. Zeit bricht zumindest ab, wenn wir traumatische Erlebnisse haben. Vielleicht kann ich von diesem Zeitgefühl noch etwas lernen, was mir die Uhr bislang nicht beigebracht hat?

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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