Mensch sein

Tiere können vieles nicht: Lachen, Autos bauen, die Uhr lesen (auch wenn sie oft ein viel ausgeklügelteres Zeitverständnis haben als wir). Außerdem können sie nicht kochen. Sie essen das, was sie finden oder jagen roh. Und weil das viel Beißarbeit braucht, kauen sie gut ein Viertel des Tages auf etwas rum. Werden sie zu alt, sind die Zähne abgekaut und Hunde können nur noch am Knochen lutschen. Von Hundezahnärtzt/innen hat nämlich auch noch niemand gehört. Menschen können kochen, was über Jahrtausenden hinweg hieß: Frauen können kochen. Männer können immerhin grillen. Aber das ändert sich ja gerade. Die kommenden Gesellschaften, soviel läßt sich schon heute sehen, werden vor allem Tüten von Fertiggerichten aufreißen. Dass das nicht gut ist, wissen wir. Die Umweltzerstörung gründet zum großen Teil aus unserer arbeitsteiligen Gesellschaft und wer nicht selber kocht, tut noch eins dazu wie diejenigen, die mit dem Auto zum Briefkasten fahren oder welcher Bequemlichkeit noch nachgeben. Ich weiß, nicht jede/r kann gut kochen. Aber das Zubereiten von Speisen ist lernbar. Viele halten diese Tätigkeit für Zeitverschwendung. Wahrscheinlich ist sie das auch. Aber sie macht uns kreativ und gesellig. Denn nichts ist schöner, als nach ein paar Stunden in der Küche Gäste oder Familie am Esstisch zu begrüßen. Kochen hat etwas mit Großzügigkeit zu tun. Wie wäre es, jetzt, in den Wochen vor Weihnachten?

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 8

  1. thursdaynext 11. November 2017

    Prinzipiell ist selbst kochen leckerer, erheblich gesünder und günstiger, daher wünschens- und erstrebenswert. Es ist nach Aneignung der Basics auch einfach – learning by doing – es macht durchaus Freude, wenn man (erfolgreich, also wohlschmeckend experimentiert) aber es kann auch fürchterlich nerven. Müde heimkommen vom Job und die Hungrigen füttern Tag für Tag da gehen Genuss und Kreativität irgendwann flöten. Lesen, Yoga, walken, schwimmen, Tanzen, Musik hören quatschen, in die Wolken starren, nähen, was selbermachen , was ich sagen möchte es gibt vieles was schöner und kreativer sein kann als Alltagskochen, besonders wenn man es 5 Tage die Woche seit vielen Jahren für die Familie macht
    Liebe Grüße
    Thurs

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    • Stephanie Jaeckel 11. November 2017

      Jein. Ich koche jeden Tag. Und nicht wirklich immer mit Begeisterung. Spülen ist eigentlich das Schlimmste. Oder wenn ich lustlos in den Töpfen rühre und entsprechend doofe Ergebnisse auf den Tisch stelle. Das heißt, ich meine nicht Kochen als Hobby. Lesen, Yoga, walken, schwimmen, tanzen, Musik hören sind Freizeitbeschäftigungen. Kochen ist unbequem. Aber möglicherweise ein direkterer Draht zur Natur als Spazierengehen. Mit Kreativität habe ich mich vielleicht etwas schief ausgedrückt. Ich meine damit nicht Selbstverwirklichung. Ich komme zum Beispiel aus einer Familie, in der sehr kreativ geputzt wurde. Das war pragmatisch und effizient. Und ich freue mich heute noch, neue Techniken zu entwickeln. Eigentlich wollte ich auf die Möglichkeiten einer so banalen Tätigkeit hinweisen. Und eben auf das, was wir mit einem selbstgekochten Essen sein können: großzügig.

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  2. thursdaynext 11. November 2017

    Die Möglichkeiten sind großartig. Ich versuche noch es meinen unwilligen Söhnen beizubringen. Jetzt verstehe ich dich, danke. Die Perspektive der Großzügigkeit hilft, beim großzügig sein. Da bäckt und kocht frau sich glatt beseelter durch den Advent und die folgenden Tage.
    Schönes Restwochende

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    • Stephanie Jaeckel 13. November 2017

      Bei mir ist es oft so, dass ein Fertiggericht oder eine Besuch im Restaurant zeittechnisch überhaupt nichts reißt (ausser, der Termin ist so eng, dass ich am besten gar nichts mehr esse). Denn beim Kochen denke ich über den Tag nach, über die Arbeit, über das, was noch ansteht, kurz, ich „erledige“ hier wichtige Dinge, die ich am Schreibtisch oft nur halbherzig mache, weil sie nicht wie „richtige“ Arbeit daherkommen. Im Grunde orientiere ich mich beim Kochen (mehr sogar noch beim Spülen), oder ich höre Radio, was ebenfalls der Orientierung dient, denn ich lese eher wenig Zeitung (Glotze habe ich keine). Insofern gehört bei mir Kochen unabdingbar dazu. Außerdem macht es Spass, auch immer wieder etwas anderes zu machen. Wenn ich nur schreiben würde, kämen mir meine Tage endlos vor.

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