„Willst Du Dein Herz mir schenken, so fang es heimlich an.“ Diese ersten beiden Zeilen der Aria im Notenbüchlein der Anna Magdalena Bach rühren mich jedesmal fast zu Tränen. Weil ich ahne, was es heißt, eine große Liebe und Leidenschaft selbst vor dem geliebten Menschen – nun, vielleicht nicht zu verheimlichen, aber zumindest auch nicht an die große Glocke zu hängen. Statt Begeisterungsstürme (die einem sicher durchs Herz ziehen) auszuleben, freundlich lächeln, nicht jubeln, dezent bleiben, zurückhaltend. Warum? Weil es erschreckend sein kann, wenn ein Mensch von zu großer Begeisterung umgenietet wird. Es kann tatsächlich überfordern, vor allem, wenn die entsprechenden Regungen im Gegenüber noch nicht erwacht sind oder möglicherweise nicht mal erwachen werden. In was für ein Ungemach man da jemanden bringen kann, auch wenn es sich im eigenen Herzen rein und groß und wundervoll anfühlt. Dem Samurai wird geraten, die Liebe zu hüten und kein Sterbenswörtchen darüber zu verlieren. Nicht mal der geliebten Frau gegenüber. Das klingt ungeheuer hart. Mag aber einen großen Raum bieten für beide: Den liebenden und den geliebten Menschen.
