Museumsbesuch

Ich gebe es zu. An Museen interessieren mich durchaus die Cafés. Und diesbezüglich wird man in San Francisco mehr als verwöhnt. Überall beste Lage, fast immer mit großzügiger Terrasse und immer mit bestem, nein, allerbestem Essen. Und dort sitzen dann die Herrschaften nach dem Besuch einer Sonderausstellung oder der Sammlung, speisen (nix mit schnellem Imbiss) und unterhalten sich. Jawohl. Ich sehe hier viele Damen und Herren, durchaus in höherem Alter, für den Museumsbesuch chic gemacht und dann mit einem Freund oder mit einer Freundin interessiert herum flanieren und natürlich später gemeinsam essen. Mir ist klar, dass es ein Vergnügen mehr als gut situierter Amerikaner/innen ist, doch es imponiert mir. Es geht sehr gepflegt zu und die Atmosphäre, die daraus entsteht, inspiriert mich. Es ist festlich auf eine Art. Es macht Spaß sich dazu zu setzen, hier und da zuzuhören, auch wenn ich gerade nur einen Kaffee trinke oder ein schnödes Wasser.

Zu sehen gab es eine Ausstellung mit Henri Matisse und Richard Diebenkorn: als Gegenüberstellung. Wow! Matisse mit den Augen eines Amerikaners zu sehen. Und einmal wirklich Kunst, die von Kunst kommt, ohne leer oder ausgelutscht zu wirken. Wie einer einen älteren Meister in die amerikanische Gegenwart transportiert. Wie die Bilder, wenn sie – so ausgezeichnet wie in dieser Ausstellung – nebeneinander hängen, erst die ganze Wucht von Matisse deutlich machen. Oder klar zeigen, was ich zumindest sonst nur gespürt habe: diese melancholische Verlorenheit von Matisse.

Danach? Fantastisches Essen. Ein spottbilliges marine-blaues T-Shirt von Macy’s (muss sein), ein Ausflug ins japanische Viertel und dort dann der geplante Untergang in unendlich viele kleine japanische Figürchen und anderen wundervollen Krimskrams. Busfahren kann ich jetzt auch schon. Und lerne da die andere Seite von San Francisco kennen, diese bodenlose Armut).

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 2

  1. mickzwo 13. Mai 2017

    „Und lerne da die andere Seite von San Francisco kennen, diese bodenlose Armut).“ Das geht von jetzt auf gleich: einmal falsch abgebogen (zu Fuß) und schon glaubt man sich im falschen Film – oder im richtigen (wie man’s nimmt).

    Gefällt 1 Person

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