Der Pazifik ist groß

So lautete die Antwort von Kent Nagano in einem Interview vor 10 Jahren auf die Frage, wie denn der Pazifik so sei. Was wie eine dusselige Replik eines Nicht-Muttersprachlers anmutet, ist tatsächlich nichts als die Wahrheit.

Ich habe ihn gestern zum ersten Mal gesehen, den pazifischen Ozean. Und ich habe mir den letzten Weg nicht leicht gemacht. Wer schon tausende Kilometer fliegen kann, wie unsereins heute, darf wenigstens die letzte Strecke angepilgert kommen, zumal sich das in San Francisco lohnt. Ich wohne am Union Square und habe den Weg über das fantastische De Young Museum durch den Golden Gate Bridge Park an den Strand gemacht. Die Gegend ist – wie alles in San Francisco – sehr hügelig. Schon von weitem grüßt der frische Wind vom Ozean (nee, Meer braucht man da gar nicht zu sagen). Gemischt mit allen Blütendüften, mit Tannengeruch und Nachtigallengesang ist es eine Freude, und wer selbst keine Wanderlieder anstimmen mag, ist bestens bedient.

Bevor sich das Panorama öffnet, und das tut es wirklich erst ganz zum Schuss, muss man noch an zwei gigantischen Windmühlen vorbei. Eine davon die größte der Welt, ja klar, wir sind ja in Amerika. Und dann. Es donnert. Es schimmert. Es glänzt. Und es ist wirklich schweinekalt (Humboldt sei Dank…). Das schönste kam dann aber noch. Es gibt ein Restaurant dort, mit fantastischem Blick. Und die Sonne sank wirklich filmreif in die Fluten. Nee. Zurück bin ich nicht mehr zu Fuß gewandert. Der Bus kam so plötzlich um die Ecke und die fünfzig Cent bekam ich geschenkt, weil ich das Geld nicht passend hatte. Amerikaner können irre nett sein. Und eine Busfahrt durch die abendliche Stadt wie ein Kinofilm.

 

Einsortiert unter: Allgemein

von

Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 6

  1. mannigfaltiges 10. Mai 2017

    Ich erlebte den Pazifik zum ersten Mal ein paar Meilen weiter nördlich, fast schon an Grenze zu Oregon. Es war trüb und stürmisch, Der Ozean (kein Meer, da hast Du vollkommen recht) fast schon beängstigend in seiner ganzen anbrandenden Gewalt. Natürlich gab es da auch ein kleines Restaurant (nur ohne Sonnenuntergang). Es bedienten und bekochten uns 2 Schwestern, im weit fortgeschrittenen Alter. Alles erinnerte ziemlich an Bates Motel. Aber es war grandios.
    Ich freue mich sehr über Deine Berichte. Sie lassen vergangene Zeiten wieder aufleben!

    Gefällt 1 Person

  2. tantemasha 10. Mai 2017

    Danke! Mir wird ganz warm ums Herz und sofort möchte ich dort sitzen. Am Meer. Am Ozean. Mit einem Glas kalifornischem Wein und dem fantastischen Blick. Die Freundlichkeit ist sagenhaft, denke ich immer wieder, wenn man mir hier den Einkaufswagen in den Rücken rammt und das für Folklore hält. Ich warte ganz geduldig und doch so sehnsüchtig auf mehr Kopfkinozeilen vom anderen Ende der Welt. Liebe Grüße, Annett

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s