Licht für alle

Zur Zeit schreibe ich meinen ersten Text in „Leichter Sprache“. Diese sehr vereinfachte Form des Sprechens und Schreibens wurde für Menschen entwickelt, die Verständnisschwierigkeiten haben. Sei es aus gesundheitlichen Gründen, oder weil sie noch nicht so lange Deutsch sprechen. „Leichte Sprache“ ist dabei eine Verständnishilfe. Es gilt ausdrücklich, dass sie zur Ergänzung da ist, nicht als Ersatz. Dennoch heißt es „Übersetzung“, wenn man einen Text in „Leichte Sprache“ überträgt. Es gibt Regeln und natürlich gibt es auch schon einen (nö, gleich mehrere) Duden.

Meine erste Überraschung, nachdem ich mich mit den Regeln vertraut gemacht habe: Es ist fantastisch. Es ist fast so, als hätte man mehr Möglichkeiten. Dabei ist man sehr eingeschränkt. Es gibt zum Beispiel nur eine Vergangenheitsform. Ansonsten muss alles im Präsens formuliert sein. Futur gibt es gar nicht. Was passiert bei so vielen Einschränkungen? Man wird gewitzter. Man muss Lösungen finden. Und die sind spannend. Es ist fast so, als würde man ein Gedicht schreiben.

Und dabei merke ich. Nicht die Regeln helfen mir (ich habe bislang noch alle Sprachen ohne Grammatik gelernt – nicht, dass ich stolz darauf bin…, ich kann einfach keine Grammatik), sondern ein Bild. Ich stelle mir vor, dass ich für blinde Menschen schreibe. Verständnisblinde Menschen. Und es geht genau so: Wo ich jemandem, der oder die nicht sehen kann, Stufen, Türen, Wände oder Ampeln ansagen muss, muss ich das auch für Verständnisblinde tun. Es reicht also nicht, einfache Wörter zu finden. Oder kurze Sätze zu bauen. Die Struktur des Textes muss mit Kennzeichen versehen sein, die sagen: Achtung! hier wechseln wir die Blickrichtung! Oder: Achtung, hier spreche ich als Autorin, dort spricht zum Beispiel ein Experte oder eine Zeugin! Usw. Es gilt, die Szene dessen, was beschrieben wird, auszuleuchten. Mit dieser Vorstellung komme ich sehr gut zurecht. Also Leute: Mehr Licht!

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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