Heldenecke: Heringsmahl

Erstens: Endlich. Endlich habe ich wieder Zeit, ein Gedicht von Dirk vorzustellen. Und zweitens: Bloß nicht! Also, bloß nicht zu viele Heringe essen. Es gibt zwar immer noch Milliarden und Millionen von diesen silberschönen Fischen, aber auch Milliarden können weniger werden und irgendwann aussterben.

Der Hering, so habe ich gelernt, ist der Weltenbummler unter den Fischen, denn er lebt nicht nur im salzigen, sondern auch im süßen Wasser. Er ist ein Schwarmfisch, oder sogar der Schwarmfisch an sich, denn wer viel reist, sollte das besser in einer Gruppe tun, zumindest, wenn er so klein ist, wie der Hering. Wir werden sehen, dass Einzelgängertum dem Hering nicht bekommt. Wir werden aber auch Geduld haben müssen, um zu sehen, dass es – vielleicht doch noch – ein Happy End gibt.

Warum Tiere? Wurde Dirk von einem seiner Leser gefragt. Tja. Warum Tiere? Vielleicht, weil sie lange vor uns schon auf dieser Erde waren. Vielleicht, weil wir und sie nicht ohne einander können. Vielleicht, weil wir Brüder und Schwestern sind. Vielleicht, weil – ? Vielleicht erst mal das Gedicht. Es ist ungewöhnlich, denn es hat eine zweite Folge. Die ich nächste Woche vorstellen werde. Dann gibt es auch noch etwas zum Text selbst. Aber hier erst mal: TUSCH!

Heringsmahl

Ein Hering schwebt

im Abendschein

und fühlt,

so muss das Leben sein:

 

die Flosse im Wind,

die Angel im Spind,

beflügelt von Reisegedanken.

 

Doch grad, als er denkt:

Wie wärs denn mit Wien?,

 

erwischt es ihn.

 

Letzte Ausfahrt:

Pinguin.

 

Versprochen, es geht noch weiter. Dirk Held, Traumfische, 2015. Die hervorragende Illustration stammt von Henriette von Bodecker.

 

 

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 6

    • Stephanie Jaeckel 21. März 2017

      Ich bin – sagen wir – skeptische geworden, was die Individualreisen und die noch „authentischeren“ Backpackerreisen angeht. Natürlich habe ich großen Respekt vor Leuten, die ihren Rucksack packen und loslegen. Ohne Sicherheitsnetz sozusagen und mit einer Menge Mut in den Taschen. Wolfgang Büscher zum Beispiel hat meine große Bewunderung. Aber die Idee von unberührten Orten und sonstigen Geheimtipps geht mir schon auf den Wecker. Es macht für meinen Geschmack (oft) einen Blick von oben, wo ich die Entdeckerin bin und das, was ich entdecke irgendwie mir gehört (kann ich gerade nicht besser beschreiben). Ich reise vielleicht nicht in Gruppen. Aber sicher auf ausgetrampelten Pfaden. Ich mag das. Zugegeben, ich schlafe auch gerne im Urlaub in Betten. Na, und so weiter. Ja, der Hering. Wir werden sehen…

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