Leben als Vagabundin

Auf der Suche nach guten Kinderbüchern bin ich auf Paula Fox aufmerksam geworden. „Ich bekomme normalerweise nichts vorgelesen“ – war der erste Satz, den ich von ihr las. Und der saß. – Jede/r liest schließlich sein eigenes Leben mit, wenn er oder sie ein Buch aufschlägt. Wie in – fast (!) – alle Bücher von Paula Fox wendet sich das Schicksal für Ivan (den Helden der Geschichte) zum Guten. Es gibt bessere Zeiten, auch für die, die mit fast gar nichts auf die Welt gekommen sind, diese Melodie durchzieht fast alle ihre Geschichten (die jedoch manchmal zu früh aufhören, um noch im Happy End zu landen). Paula Fox war ein Findelkind. Sie hatte eine harte Kindheit, eine noch härtere Jugend und hätte alle Nase lang vom Pfad kippen können. Sie hat Umwege gemacht und in Sackgassen gesteckt. Aber sie hat sich bewegt – nicht nur im Kopf – und auf ihrer Lebensreise begierig alles betrachtet, was ihr über den Weg lief, so dass sie ihre eigene Misere immer wieder vergessen und den Spieß sozusagen umdrehen konnte. Sie wurde zu einer Sehenden, die minutiös aufzeichnete. Ein Seismograph des Zeitgeschehens, erst als Journalistin, später als Autorin für Erwachsene und für Kinder.

Wie wahrscheinlich immer, wenn man Bücher und deren Autor/innen besonders liebt, haben mir ihre Geschichten das Leben gerettet. Allein das wäre Gold wert. Dass ihre Texte – übrigens in den meist fantastischen Übersetzungen – auch noch ein Genuss sind: eine so große Freude! Letzten Mittwoch ist sie im Alter von 93 Jahren in Brooklyn gestorben. Die späten Jahre lebte sie dort, wie es auf Fotos aussieht, sehr glücklich mit ihrem Mann und je wechselnden Katzen. Äußerlich angekommen, aber im Kopf immer noch auf Reisen in unbekannte Gefilde, wie ihre Bücher beweisen. Wenn ich Vorbilder habe, dann gehört sie unbedingt dazu. Gute Reise, Paula Fox!

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comment 1

  1. Maren Wulf 7. März 2017

    Liebe Stephanie, du schreibst mit einer solchen Wärme, ja, Liebe von Paula Fox, dass ich sofort eines ihrer Bücher zur Hand nehmen möchte. Sie kommt mir so bekannt vor, dabei kenne ich, glaube ich, keines ihrer Werke. Womit sollte ich deiner Meinung nach anfangen?

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