„Allein mit einem toten Menschen, ist man lange nicht so preisgegeben wie mit Bäumen.“
Rilke schreibt dies in seiner Einleitung zu der Studie über die Landschaftsmaler von Worpswede. Er unternimmt hier eine erste Einschätzung und eine historische Chronologie zur Landschaftsmalerei, die es zwar schon lange gab, als eigenständige Gattung jedoch schwer zu kämpfen hatte. Immer noch galt der Primat des Menschen im Bild, die Natur gab höchstens mal die Kulisse ab für sein Tun und Treiben in den Gemälden. Doch brach seit den Romantikern die Sehnsucht nach vor allem unberührter Natur durch. Aber was sollte Natur denn sein? Sie war leer, groß, gewaltig, dunkel und unergründlich. Für den Maler und vor allem für Publikum und Kritiker ließ sich da nichts rauslesen. Keine Anekdote knüpfte sich zwischen Strauch und Baum, keine Weisheit ließ sich exemplarisch vorführen. Nur das platte So-ist-es oder So-sieht-es-aus war möglich, egal wie schön, strahlend oder erhaben die Landschaft auf der Leinwand daher kam.
Rilke geht weiter dahin, dass vor allem die Künstler/innen die Sehnsucht zur Natur in sich spürten und allein ihre Werke eine Verbindung zwischen Mensch und All ermöglichten. Darin bestehe der eigentliche Wert der Kunst: Den Einzelnen mit dem großen Ganzen zu verbinden. Aber er kennt sehr wohl die Fremdheit der Natur, die sich, wie er es beschreibt, um den Menschen nicht schert. Denn, so schließt er an dem oben zitierten Satz an:
„Denn so geheimnisvoll der Tod sein mag, geheimnisvoller noch ist ein Leben, das nicht unser Leben ist, das nicht an uns teilnimmt und, gleichsam ohne uns zu sehen, seine Feste feiert, denen wir mit einer gewissen Verlegenheit, wie zufällig kommende Gäste, die eine andere Sprache sprechen, zusehen.“

Maren Wulf 14. Oktober 2016
Wer sind wir Menschen denn, dass wir meinen, die Natur müsste an uns Anteil nehmen? Ich empfinde es nicht als beängstigend, dass ein Wald, ein Berg, eine Wüste, ein Meer sich nicht um mich schert. Angenehm bedeutungslos und dennoch zugehörig.
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Stephanie Jaeckel 14. Oktober 2016
Ja, das ist wohl die größte Überraschung für Menschen, dass sie die Natur kultivieren und verplanen und wenn mal ein Hagelschauer kommt oder gar ein Erdbeben, dann purzelt die Rechnung durcheinander und man kommt ins Ärgern oder Grübeln. – Mir selbst ist diese Fremdheit sehr präsent. Meistens – und eben vor allem, wenn ich nicht alleine unterwegs bin – bleibt mir das auch angenehm. Aber ich habe vor Augen, wie schnell ich wahrscheinlich tot wäre, müsste ich durch „echte“ Natur gehen. Das ist nicht schlimm, eher macht es demütig. Doch es zeigt auch die Strecke, die wir uns mittlerweile von der Natur entfernt haben.
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Maren Wulf 14. Oktober 2016
… und demütig, ja. 🙂
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