Herbstmelancholie

Jetzt hat sie mich doch noch erwischt. Wo ich vor lauter Sonnenschein im September dachte, daran vorbei gerutscht zu sein. Die Tage sind kürzer, das Licht schummrig und bis ich mich wieder an sie gewöhnt habe, kratzen die Wollpullis.

Sie ist eine treue Besucherin, die Herbstmelancholie. Ohne sie würde der Jahreszeit wohl etwas fehlen, das Stille, das Erinnern, die Traurigkeit, aber auch die Liebe zu den (verlorenen) Dingen und Menschen. Vergangenes und Vergänglichkeit kreuzen die Gedanken, ich werde ruhiger. Angesichts der ungeheuren Weltzeit kann ich auch mal die Hände in den Schoß legen. Wer bin ich denn, um ruhelos durchs Universum zu rennen? Gelten meine Ziele noch? Brennt mein Herz noch? Lebe ich überhaupt noch? Wo ist mein Horizont? Muss ich die Richtung wechseln? Oder möchte ich es? Die Melancholie, so scheint es mir, ist voll, während die Verzweiflung leer ist. Insofern fürchte ich sie nicht. Aber sie stellt mir jedes Jahr aufs Neue die Frage: Ist es das, was du willst? Zum Glück sind die Abende lang, um erneut eine Antwort zu finden.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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