Der Wald

So eingezäunt bzw. gemauert wie hier, wirkt er romantisch, der Wald. Als Park ist er die wesentlich zahmere Variante eines Urwalds, auch wenn einige der Bäume schon mindestens ein Jahrhundert in ihren Stämmen und Ästen haben. Alleine durch einen Wald zu gehen, fürchte ich mich meist nach einiger Zeit. Es kommt natürlich auf den Wald an. Ist er licht oder zugewachsen? Singen die Vögel und kommen gelegentlich ein paar Wanderer vorbei? Gibt es hier und da Ausblicke, vielleicht ein Seeufer? Oder kündigt sich über den zusammengewachsenen Baumkronen ein Gewitter an? Dämmert es? Weiß ich den Weg nicht so genau und raschelt es häufiger als plausibel im Gebüsch? Zu zweit oder dritt ist mir ein Waldspaziergang ein großes Vergnügen. Da mag ich den Wind in den Wipfeln pfeifen hören, sogar in den Abend hinein gehen. Aber alleine geht es mir so, dass alle kindlichen Waldängste wieder in mir aufsteigen. Könnten hier nicht doch fantastische Wesen leben? Oder Räuber? Und haben die Bäume vielleicht gegen jede Wahrscheinlichkeit überpflanzliche Fähigkeiten? Im Wald zu pfeifen macht es übrigens nur schlimmer. Vielleicht sind es aber nicht nur kindliche Ängste, sondern das Wissen darum, dass sie vor uns auf der Erde waren. Als wenn wir die lästigen fast noch zu spät Gekommenen sind, die ihre Ruhe stören. Massiv stören. Ein Wald ist uns Menschen ein fremder Ort geblieben (erst recht, wenn wir im „Großstadtdschungel“ leben). Einer, in dem die Zeit gelegentlich noch stillsteht. Und der gerade deshalb – vom Klima mal ganz abgesehen – für unsere Zukunft so wichtig ist.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 9

  1. Pingback: Wipfelstürmerin – papiertänzerin.

  2. jahreszeitenbriefe 18. Oktober 2016

    Über Papiertänzerins „Wipfelstürmerin“ hergefunden… Es gibt nichts, wo ich mich allein wohler fühle als im Wald, und „meinen“ vor der Tür kenne ich seit über 50 Jahren… Und seit 20 Jahren gehe ich mit anderen Menschen in die Wälder hier herum, aber immer wieder und sehr gern allein, obwohl ich ganz genau weiß, dass ich dort nie allein bin, manchmal zeigen sich ein paar von den Wesen dort, und mit meinen Baumfreunden fühle ich mich ohnehin nicht allein ;-). Dein Foto ist überwältigend schön! Lieben Gruß Ghislana

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    • Stephanie Jaeckel 18. Oktober 2016

      Ach, die Wälder sind hinreißend. Angst bedeutet ja nicht Ablehnung. Vor Bäumen merke ich halt nur immer wieder, wie „jung“ wir Menschen eigentlich sind. Gut, wenn man Baumfreunde hat! Ich versuche gerade aus den Nüssen meines Großvaternussbaums ein Baumbaby zu ziehen. Mal sehen, ob das gelingt. Dann hätte ich ein veritables Baumkind. Vielleicht ein Anfang 😉

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