Das zumindest lässt sich ganz sicher sagen von einem Begriff, der mehr als schillernd ist. Eleganz ist nicht angeboren. Das wäre eher die Anmut. Eleganz ist individuell und hat – Obacht! – nicht unbedingt etwas mit Mode zu tun. Geraldine Stutz, amerikanische Verlegerin, formuliert das so: „Mode sagt: Ich auch. Eleganz sagt: Ich allein.“
Mir ist neulich durch den Kopf gefahren, dass ich vor allem elegante Männer bewundere. Vielleicht würde ich nicht unbedingt einen heiraten. Aber von einer gewissen Distanz aus sind sie einfach die beste Live-Performance, die ich mir vorstellen kann. Elegante Frauen natürlich auch. Vor allem, weil die Eleganz so sehr im Detail liegt, und sich erst nach und nach entfaltet. Aber was ist es genau, was diese Eleganz ausmacht?
Für den Adel ist Eleganz über die Jahrhunderte hinweg Ausdruck ihrer Exklusivität gewesen. Prinzen, aber auch Prinzessinnen wurden in Eleganz geübt, Castigliones „Libero del Cortegiano“ war ihr Lehrbuch, das Knigge später für die bürgerliche Gesellschaft neu formulierte. Lässigkeit spielt dabei eine große Rolle, die hohe Kunst, alles ungezwungen wirken zu lassen, obwohl allem, aber wirklich allem eine sorgsame Vorbereitung und Übung innewohnt – tatsächlich leitet sich das Wort Eleganz vom lateinischen „eligere“ = „auswählen“ ab. Dennoch braucht auch die künstliche, die absichtliche Natürlichkeit, ein gewisses – tja, was eigentlich? Ich hatte bei mir immer das Gefühl, zu klein zu sein, einfach nicht die nötigen Proportionen für eine elegantes Auftreten zu haben. Aber ich möchte wetten, dass das nicht stimmt.
Eleganz hat zwar nichts mit Mode zu tun, aber sehr viel mit Kleidung. Ein eleganter Stil ist meistens ein zeitloser. Es gibt Farben und Schnitte, die elegant sind, dezent, edel, klar, gleichzeitig unauffällig, schlicht. Eleganz im Wort bedeutet Präzision und Rhythmus. Selbst die ausschweifendsten Fantasien kommen klar und auf eine gewisse Art sogar sachlich daher (mit Gesten und Blicken, die möglicherweise etwas anderes andeuten). Warum mir „coole“ Leute so gefallen, wird mir jetzt auch klar. Sie sind nichts anderes als elegant (ich meine natürlich die richtig coolen Leute).
Eleganz ist – von der grundsätzlichen und ebenso vermeintlichen „désinvolture“, Unabsichtlichkeit abgesehen, zutiefst individuell. Prince war (trotz aller schrillen Farben) ebenso elegant wie Grace Kelly, allerdings in einem anderen Kontext. Und wer aus Begeisterung elegant ist, ist es möglicherweise nicht, um sich von anderen abzusetzen, sondern um sie teilhaben zu lassen. Mich zumindest berührt Eleganz jedes Mal. Sie ist für mich der Radius, den sich ein Mensch schafft, den er für sich setzt und ausfüllt. Eleganz hat sehr viel mit Fantasie zu tun und mit Selbstliebe. Elegante Menschen loten ihre Grenzen aus, sie gehen über Normalitäten hinweg, nicht unbedingt, um aufzufallen, sondern um sich selbst gerecht zu werden (und, wie ich dann immer empfinde, um mir und anderen den Mut zu machen, das auch zu tun). Eleganz ist auch eine Antwort auf Schönheit. Denn nicht jeder elegante Mensch ist schön. Im Gegenteil. Oft macht die Eleganz das wett, was an Schönheit fehlt. Am Ende ist Eleganz aber auch Widerstand. Diane Vreeland schreibt, „Eleganz ist Verweigerung.“ Und damit in meinen Augen ein wirksames Mittel, sich in der Welt zu positionieren.

mickzwo 2. Oktober 2016
„Mode sagt: Ich auch. Eleganz sagt: Ich allein.“ Genau das ist der Anspruch. Besser kann man es nach meiner Ansicht nicht sagen.
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Stephanie Jaeckel 3. Oktober 2016
Das gefiel mir auch ausnehmend. Aber auch Dior, Lagerfeld und andere weisen eigentlich immer darauf hin, dass Eleganz streng individuell ist. Oder dass Mode eben mit Eleganz nicht viel zu tun hat.
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Maren Wulf 3. Oktober 2016
Dieser Text gefällt mir ausnehmend gut: fein beobachtet, klug – und sehr elegant.
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Stephanie Jaeckel 3. Oktober 2016
Ach, das freut mich jetzt besonders, weil ich gerade bei dem Text dachte, ich sollte endlich mal vorschreiben und redigieren. Ich mache das aus Zeitgründen nicht, und überlege schon, seltener zu schreiben. In diesem Moment tut Dein Lob natürlich doppelt gut: Danke!
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Tomas Bächli 3. Oktober 2016
Eleganz hat für mich immer etwas mit Bewegung zu tun. Das Gegenteil von „elegant“
ist doch „festgefahren“. Und ausschweifende Fantasien müssen elegant fomuliert werden, sonst schweifen sie nicht aus und heben nicht ab sondern rumpeln auf dem Fußboden.
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Stephanie Jaeckel 3. Oktober 2016
Bewegung! Danke für dieses Stichwort. Ich habe auch an Musik gedacht und an Mathematik, habe mich aber nicht getraut, die Eleganz dort zu suchen, obwohl ich weiß, dass es sie gibt. Präzision würde sicher für beide stimmen, Bewegung zumindest für die Musik. Fantasie betrifft ja auch wieder beide Disziplinen – !?
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