Ja, doch, auf eine Weise gibt es ihn. Vielleicht in Varianten, je nachdem wie alt man ist, je nachdem welchen Beruf man hat oder nicht, je nachdem wo man lebt. Es braucht manchmal Jahre, bis man ihn findet – sicher machen sich nicht alle auf die Suche und sicher zu Recht. Mir ist heute aufgefallen (und ich war nicht übel verblüfft), dass ich für mich den perfekten Alltag gefunden habe – zumindest für jetzt. Ich kenne mich gut, weiß, wie lange ich mich konzentrieren kann, wann ich Hunger habe oder keine Lust mehr. Ich kann die Pausen richtig dosieren und sogar Puffer einbauen, damit ich nicht ins Schleudern komme, wenn was dazwischen kommt. Ich weiß, wann ich schlafen gehen muss, wann ich Unterhaltung brauche und wie ich die Hausarbeit ohne zu großen Aufwand erledige. Alles prima, alles geschmeidig. Ich weiß, dass ich froh sein kann, dass meine All-Tage gerade so gut laufen. Das ist mir nicht vom Himmel gefallen. Und gerade deshalb stimmt damit etwas nicht. Es funktioniert. Und das ist nun wirklich nicht das Schlechteste. Aber es ist ziemlich eng. Von hier geht es nach da und dann und gute Nacht. Doch, wahrscheinlich muss der Alltag so sein. Aber woher weiß ich, wann ich den Absprung wagen kann? Für eine Extra-Runde? Für eine Entdeckung? Für den Sprung vom Tellerrand? Vielleicht braucht es einen guten Riecher für offene Türen, durch die man hier und da einmal entwischen – aber auch wieder zurückkehren kann.

mickzwo 15. August 2016
„Alles Müller oder was?“ Be_merkens_wert.
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Stephanie Jaeckel 16. August 2016
Hilfe! Du lebst nicht etwa in Berlin und meinst die Müller-Kampagne???
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mickzwo 16. August 2016
Nein, ich lebe nicht in Berlin.
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mannigfaltiges 16. August 2016
Der behagliche und nervenschonende Trott des geregelten und durchorganisierten Alltags. Kaum hat man sich darin eingerichtet, sucht man schon wieder Türen (mit Rückkehrgarantie) um auszubrechen. Denn das Gras ist immer grüner, auf der anderen Seite der Tür.
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Stephanie Jaeckel 16. August 2016
Hmm, ja – nein – weiß nicht… Das Behagliche ist gefährlich. Ich denke, es geht weniger um das grünere Gras. Nein, im Ernst, manchmal kommt mir dieses Alltagsgerüst wie ein Korsett vor, und ich würde einfach gerne ohne leben. Aber vielleicht ist es tatsächlich zu viel verlangt.
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mannigfaltiges 16. August 2016
Es liegt nur an dir, es zu ändern…
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tomas bächli 16. August 2016
Einfach mal im Alltag etwas machen wofür man sich schämen würde,wenn man beobachtet würde,z.B.mit großer Andacht kitschige Schlager hören (siehe auch Deinen Beitrag zum Lutscher).Das gibt dem Leben neuen Schwung und macht den Alltag zum Fest
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Stephanie Jaeckel 16. August 2016
Lieber Tomas, ich bin ja kein Pianist – insofern schäme ich mich gar nicht, wenn ich – zwar keine Schlager – aber dafür Popmusik höre… – Aber klar, gestern Abend habe ich TLC laut aufgedreht. Und hatte mit einem Schlag eine kleine nostalgische aber durchaus beste Laune.
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