Der Traum von einem leeren Zimmer

Jedes Mal, wenn Freunde oder Freundinnen umziehen, beschleicht mich eine leichte Wehmut. Noch einmal neu anfangen. In ein leeres Zimmer ziehen, die ersten Tage vielleicht nur auf einer Matratze zwischen unausgepackten Kisten leben, improvisieren, neue Ideen am laufenden Band entwickeln, wie das nun alles einzurichten wäre. Zufällig auf Dinge stoßen, etwas geschenkt bekommen, einen Lieblingssessel finden, eine neue Lieblingsfarbe vielleicht. Neue Vögel vor dem Fenster hören, andere Stimmen, den Wind auf neuen Ecken pfeifen und das Licht aus einer anderen Richtungen einfallen sehen. Tagelang putzen, neue Wege zur neuen Wohnung gehen, sich den ersten Abend mit Gästen in den neuen Räumen vorstellen. Baumärkte besuchen. Einen ersten Blumenstrauß auf die Fensterbank stellen. Ach ja. Das wäre was.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 4

  1. Marion 2. August 2016

    Als Kind hatte ich ein Puppenhaus und alles, was ich jemals damit gespielt habe, war „umziehen“. Möbel ausräumen, Möbel einräumen, Bad woanders, Küche neu. Mein größter Wunsch war wirklich umziehen, das hab ich dann aber erst mit 19 gemacht.
    In den letzten zwölf Jahren bin ich acht mal umgezogen, das neunte mal ist in Planung. Und ich finde es ganz furchtbar. Ich hab keinen Bock mehr auf Kisten packen und Möbel abbauen, Sachen Treppen runter und woanders wieder rauf tragen.
    Aber gerade heute morgen bin ich an einem Haus vorbeigekommen, es stand ein Umzugswagen vor der Tür und im Fenster eine Leiter und ich dachte „ach guck mal, neue Wohnung, das ist aber toll!“
    Sie haben halt doch was, diese Neuanfänge.

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    • Stephanie Jaeckel 3. August 2016

      Das kannte ich nicht: Umziehen-spielen im Puppenhaus. Klasse Idee. Im erwachsenen Leben stören tatsächlich die (ungepackten) Kisten… und das Tragen von alledem. Aber was toll sein kann: dass man beim Packen Sachen wieder findet. Bei mir tauchte mal das Uni-Zeugnis wieder auf. Nicht, dass ich es wirklich je gebraucht hätte, aber war schon schön zu sehen, dass ich das Studium wirklich geschafft habe 😉 Und wer will, kann sich gerade beim Packen vieler Dinge entledigen, indem sie einfach nicht ins neue Zuhause mitkommen. Diese Form des Ausmistens vergisst man schnell wieder, wenn man zu lange sesshaft ist. Dir auf jeden Fall einen guten Umzug!

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  2. keinenplanblog 4. August 2016

    Ein Neuanfang kann wirklich viel bewegen und neue Energie freisetzen. Die Lust, etwas neues, kreatives mit dem Leben in seinen eigenen Vier Wänden anzufangen, hast du in dem Bild des leeren Zimmers sehr schön eingefangen. Die vergangenen Tage diese Woche habe ich in meiner Wohnung mit Ausmisten, Umräumen und Neugestalten verbracht und ich muss sagen, so langsam stellt sich ein erhebendes Gefühl bei mir ein, weil ich es geschafft habe, mich von der Gewohnheit loszureißen und endlich einen Plan in die Tat umsetzten, den ich schon viel zu lange mit mir herumtrage.
    Viele Grüße
    Christina

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    • Stephanie Jaeckel 4. August 2016

      Ja, es ist vielleicht das Stoppen der Gewohnheit und die Erkenntnis, dass so vieles auch anders geht (gut geht, besser geht) als man in seinem Hamsterrad dachte. Manchmal sind es auch Kleinigkeiten, ein paar Dinge auf dem Regal oder auf dem Nachttisch, die das Leben plötzlich ganz anders machen 😉 Und gegen erhebende Gefühle ist wirklich gar nichts zu sagen…

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