Vitrinenhüter

Keine Sorge. Der will nicht spielen. Der guckt nur streng und ist ansonsten unbeweglich. Heute hütet er eine Glasvitrine. Früher? Wahrscheinlich soll er hässlich sein, oder zumindest Angst einflößen. Aber genau besehen, kann er nur höchste Bewunderung hervorrufen. Wie kunstvoll der Backenbart gezwirbelt ist. Wie ordentlich das Löwenfell umgelegt. Und warm schimmert die Haut unter der künstlichen Sonne, als wäre kein Stein zu sehen, sondern ein echtes Lebewesen. Nein. Monster möchte ich es nicht nennen. Von der Größe her würde es eh nur für einen Gnom reichen. Es ist ein Zauberwesen, das, da bin ich mir sicher, einiges zu sagen hätte. Aus seiner Zeit von vor vielen tausend Jahren, wo es in Ägypten sicher etwas Wertvolles bewachte. Ob es angebetet wurde? Ja, da hätte ich mal die Beschriftung lesen sollen Aber ich war in diesen Blick vertieft. Vielleicht konnte er böse Träume verjagen. Versagensangst. Todesangst. Ach, es gibt so viel mehr zwischen Himmel und Erde! Warum bleibt uns so viel davon bloß verborgen?

Auch diese Kleinplastik ist übrigens im wundervollen Römer-Pelizaeus-Museum in Hildesheim zu sehen.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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