Überraschung

Die vielleicht zuverlässigste Überraschung im Alltag ist das Wetter – weshalb viele Menschen so gerne drüber sprechen. Aber schon hier wird klar, die Überraschung ist – vom neuen Gesprächsstoff einmal abgesehen (und der kann gar nicht spektakulär genug sein) – nicht unbedingt erwünscht. Oder anders formuliert: Eigentlich ist nur das gute Wetter als Überraschung wohl gelitten (und das kann durchaus auch Regen sein, wenn die Kinder partout nicht wandern wollen oder der Bauer seinen vertrockneten Acker sieht), schlechtes Wetter ist längst keine so tolle Überraschung mehr.

Das ist das Doppelgesicht der Überraschung – wobei, das Gesicht zeigen eigentlich wir. Denn die Überraschung ist eben so, wie sie daher kommt. Aber wir entscheiden, ob wir sie mit einem lachenden oder einem weinenden Auge begrüßen. Wer zum Beispiel Sicherheiten liebt, mag wahrscheinlich Überraschungen nicht besonders, ob sie nun gut oder schlecht erscheinen. Offenheit ist eine Voraussetzung für die Freude an Überraschungen, Kindern können wir da eine Menge abschauen. Und wer sein Verhältnis zu Überraschungen überprüfen möchte, sollte reisen. Denn fremde Länder, unbekannte Kulturen befördern Zweideutigkeiten und steigern das Überraschungspotential.

Dabei kommen Überraschungen manchmal ganz unscheinbar daher. Jeder Krimi fängt so an. Da ist ein sonst geschlossene Tür plötzlich offen oder das Licht bei der alten Frau im obersten Stock ist nicht an, wie sonst immer um die Zeit. Da packt einen dann die Neugier – oder eben auch nicht, könnte ja Zufall sein. Wissenschaftler/innen können davon auch Lieder singen. Denn wo eine Arbeitsgruppe achtlos an einer Abweichung, an einem unvorhergesehen Ergebnis vorbei denkt, bleibt die andere dran und bekommt später für eine sensationelle Erkenntnis den Nobelpreis.

Überraschungen sind unvorhersehbar. Und insofern fester Bestandteil unseres Lebens. Wer sich nicht zu sehr an „Normalität“ klammert, wird wahrscheinlich besser mit ihnen zurecht kommen. Sicherheit, und das gilt auch für unsere Gesellschaft, gibt es nicht. Wir sollten uns die Offenheit bewahren, mit Überraschungen umzugehen. Und nicht so bereitwillig in Panikstarre zu verfallen.

 

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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