Groß werden

Je mehr Kinder- und Jugendbücher ich lese, desto klarer wird mir, dass ich erwachsen bin. Nicht, dass ich diese Bücher langweilig finde. Gar nicht. Es ist eher so, dass solche Bücher mich wieder darauf stoßen, dass ich früher anders gedacht, gefühlt, wahrgenommen habe. Ich lebte in einer Erwachsenenwelt auf anderen Bahnen. So als hätten wir Kinder Durchschlüpfe ganz eigener Art durch Hecken, Zäune, oder andere Hindernisse, die Erwachsene überhaupt nicht in Frage stellten und brav ihren Bogen drum machten. Wahr und Falsch galt gleichermaßen. Dennoch, die Uhren tickten anders. Langsamer, falls sich einige noch erinnern. Und je mehr Kinder- und Jugendbücher ich lese, desto unsicherer fühle ich mich mit meinen erwachsenen Urteilen. Klar. Jede und jeder liest anders. Das geht auch Erwachsenen so. Aber ich weiß, dass schon ein Buch ein ganz anderer Gegenstand in einem Kinderzimmer ist als in meiner Wohnung. Ein Fazit? Natürlich schreibe ich weiter über Kinder- und Jugendbücher. Warum denn nicht – und mit dem Bewusstsein eines eingeschränkten Blickfeldes. Vielleicht lese ich demnächst eher noch mehr Kinder- und Jugendbücher. Weil ich merke, dass mich diese Verwandlung von klein in groß einfach noch nicht loslässt.

Filed under: Allgemein

von

Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 2

    • Stephanie Jaeckel 25. Mai 2016

      Ich spüre auch deutlich, dass ich daher komme. Aber ich bin eben dem Jungsein entwachsen, in dem Maß, in dem ich Verantwortung habe (und nicht mehr nur für mich). Politik ist für mich eine Größe, die mich angeht, auch wenn es mich da gerade schüttelt, ich muss Dinge fertig bringen, die mir am Hals raushängen, weil andere Menschen daran beteiligt sind, etc. Das sind andere Herausforderungen, die ich auch schätze, weil sie meine Kapazitäten erweitern und meine Möglichkeiten ausschöpfen. Als Kind habe ich mich oft unterfordert gefühlt, eben weil noch nichts in meinem Leben richtig „ernst“ war, diesen Teil des Erwachsenenlebens möchte ich nicht mehr missen.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s