Pack die Badehose ein,

und ab in den Schleusenpark Waltrop. Waltrop? Ruhrgebiet, wie Bottrop. Am Wasser. Baden, nee, kann man nicht, aber sich an den Kanalrand setzen, wo nagelneue Liegestühle stehen und auf Besucher/innen warten. Und die Badehose? Nun, die könnte in der neuen Ausstellung zur Anwendung kommen, denn dort sind der Deutschen liebste Ferieninseln zu sehen: Sylt, Mallorca und Hiddensee. Nicht nur als Porträts, in Öl oder Schwarz-Weiß, sondern auch als Märchenorte, Immobilienenklaven und Massenreiseziele:

Reif für die Insel. Tourismus auf Sylt, Hiddensee und Mallorca

so heißt die Ausstellung, die im Westfälischen Landesmuseum, Standort Schiffshebewerk Henrichenburg ab heute zu sehen ist. Die Museumsleute haben wirklich keine Mühe gescheut, und auch keine Peinlichkeit, um an Souvenirs aus den drei Strandparadiesen zu kommen. Sie wühlten in Bettkästen älterer Herren, fuhren auf der Suche nach dem besten Restaurant ein Leihauto zu Schaden, ließen sich das Fahrrad der Pensions-Wirtin klauen und begaben sich gleich mehrmals in den Ballermann. Und sie zwangen gute Freundinnen zum Verfassen lustiger (!!!) Texte. Der Katalog lohnt sich also, ist auch schwer wie ein Backstein und lässt sich bei der gestiegenen Einbruchsrate zusätzlich als Wurfgeschoss gegen Eindringlinge neben dem Bett lagern. Also: Hinfahren, wer Lust und Zeit hat. Es gibt weder Gold noch Silber zu sehen, dafür wirklich vergnügliche Details einer bestens recherchierten Tourismusgeschichte Deutschlands.

LWL-Industriemuseum
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Schiffshebewerk Henrichenburg
Am Hebwerk 26
45731 Waltrop

 

Filed under: Ausstellungsbesprechung

von

Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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