Und sonst? Wenn ich jemandem beschreiben müsste, was Ordnung ist, würde ich mich schwer tun. Auch mit der Antwort auf die Frage, ob ich selbst ordentlich bin. Oder früher war. Ordnung ist vielleicht der persönlichste Zugriff auf die jeweilige Umgebung. Und von daher wahrscheinlich so unterschiedlich angelegt, wie Menschen nun mal sind.
Halte ich eine optische (vielleicht sogar „schöne“) Ordnung, sortiere ich nach Kategorien, chronologisch oder nach Häufigkeit des Gebrauchs? Sortiere ich überhaupt, oder gruppiere ich eher frei und assoziativ? Brauche ich alle oder bestimmte Dinge auf einen Griff oder mag ich es, ein wenig/ausgiebig zu suchen? Gibt mir das Gefühl Halt, alle Dinge an ihrem von mir bestimmten Ort zu wissen oder eher das umgekehrte Gefühl, dass mich das Gewühl schützt vor was auch immer? Freue ich mich über Überraschungen oder meide ich sie eher? Bin ich in bestimmten Zusammenhängen ordentlich – in anderen dagegen nicht oder gar nicht? Habe ich nur ordentliche/unordentliche Freund/innen?
In meiner Kindheit war Ordnung an Gehorsam gekoppelt und insofern verdächtig. Außerdem war mir mit meinen paar Sachen kaum beizubiegen, dass Suchen zeitaufwändig werden könnte. Ich denke, als Kind hatte ich ganz gerne alles im Blick und insofern eine gewisse Unordnung. Heute ist mir Ordnung plausibler. Es hilft tatsächlich, die Sachen dort vorzufinden, wo sie hingehören. Außerdem kann man mit Ordnung Muster schaffen. Das sieht hier und da wirklich hübsch aus. Auf meinem Schreibtisch herrscht dagegen meist geordnetes Chaos. Geordnet insofern, als sich dort nur die Dinge befinden, die gerade aktuell sind. Aber hier kommt dieses Kindheitsgefühl wieder zum Tragen, bitte möglichst alles griffbereit zu haben.
Ordnung ist nicht zwangsläufig das Gegenteil zur Unordnung. Wie wäre es zum Beispiel mit Bewegung? Diese Idee finde ich viel sympathischer, weil die mir und meiner Generation (und sicher auch vielen anderen) eingeimpfte Moral hier nicht greift. Da, wo Ordnung nun mal zur Statik neigt, bringt Bewegung Schwung in die Sache. Eine Ordnung, die nicht stillsteht, die sich dynamisch verändert, wäre, was mir gefallen könnte. Ob sie besser kompatibel ist als die Ordnung, die sich als Gegenteil von Unordnung versteht? Ich möchte es zumindest hoffen…

Mallybeau Mauswohn 22. Mai 2016
Tiefgekühlte Handtaschen und Schmuck waren mir jetzt neu! In meinem Kühlschrank liegen nur Maultaschen. In der Tat eine sehr frostige Ordnung, mit unterkühltem Charme. Aber so halten die Sachen vielleicht länger 🙂
Herzliche Grüße von der Alm
Mallybeau M.
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Stephanie Jaeckel 22. Mai 2016
Vor allem im Sommer. Und wie hübsch Weinflaschen mit angelegten Goldreifen sind, siehst Du ja. Oder zwei letzte Glückskekse vor Handtäschen…
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Mallybeau Mauswohn 22. Mai 2016
🙂 Da entsteht eine völlig neue kulinarische Ästhetik äh Essthetik. Hervorragend:)
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papiertänzerin 22. Mai 2016
… da hast du deine Gedanken zum Thema sehr fein ordentlich & bewegt zusammen getragen. Schreiben hat für mich übrigens die Funktion Gedanken zu ordnen oder etwas Bewegung hinein zu bringen
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Stephanie Jaeckel 22. Mai 2016
Gedanken ordnen – hm. ja. doch. Vielleicht auf andere Gedanken kommen. Eher. Jedenfalls in letzter Zeit. Ist aber ja auch kein Gegensatz.
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Rabis 23. Mai 2016
Eine zeitlang hatte ich mal meine Bücher nach Farben und Größen sortiert (Regenbogen), was unter meinen Studienkollegen (alles angehende Bibiliothekare) regelmäßig für Verwirrung sorgte. Als visueller Typ liegt mir das einfach näher, als thematische oder alphabetische Ordnung…
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Stephanie Jaeckel 23. Mai 2016
Cool! Sah bestimmt toll aus. Ich bin diesbezüglich so faul… bei mir kommen die Bücher so ins Regal wie sich ein Plätzchen findet. Doch, ich habe bisher noch alle wieder gefunden – es sind halt nicht so viele.
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