Das Meer

Das Meer stand den Menschen schon immer vor Augen. Dennoch wissen wir bis heute relativ wenig über die Ozeane. Wenn ich überlege, dass ich schon auf der Welt war, als man das erste Mal die Erde vom All aus sehen konnte und damit auch zum ersten Mal wirklich sah, wie viel – nämlich 71 % – der Erdoberfläche von Wasser bedeckt ist!

Im Meer, so vermuten wir – allerdings mit einigen guten Gründen – ist das Leben auf unserem Planeten entstanden. Bedenke also Mensch, dass Du aus dem Wasser stammst! (Wer meckert da schon, wenn es mal wieder regnet, hä?) Aber Obacht: Den Menschen war das Meer nicht immer blau. In der Antike erschien es meist, schwarz, grau oder schlammfarben. Die reichen Römer allerdings bauten sich Villen ans Meer (schön weit oben, auf hohen Felsen), um das Ozeangefühl auch in der Wohnung zu haben. Ich möchte wetten, dass sie blau sahen.

Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts blieben die Menschen dem Meer weitgehend fern. Sich am Strand aufzuhalten, dort sogar Urlaub zu machen, wäre ihnen nicht in den Sinn gekommen. 1753 entdeckte ein britischer Arzt namens Russell die heilsame Wirkung von Meereswasser zum Beispiel bei Hautkrankheiten. Aber auch er hätte gestaunt darüber, dass sich heute Menschen mit Meeressalz unter der Dusche einrubbeln, um eine feinere Haut zu haben.

Dass es so weit in die Tiefe geht, wie es tatsächlich geht (knapp 11 Kilometer), konnte man sich früher nicht vorstellen. Was man sich partout und über-, überhaupt nicht vorstellen konnte war, dass da unten in Kälte und dichter Finsternis noch was lebt.

Alexander von Humboldt war der erste, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts erkannte, dass wir nicht mit vielen Meeren, sondern einzig und allein mit einem Ozean zu tun haben. Er hatte auch schon verstanden, dass die Meere nicht ruhen, sondern sich konstant durchmischen durch, wie er es nannte, ozeanische Ströme. Wir wissen heute, dass das Meereswasser in ca. 1.000 Jahren einmal um den Planeten wandert und dabei mal an der Oberfläche, ein anderes mal knapp über dem Ozeanboden unterwegs ist, je nach Temperatur und Salzgehalt.

Und die Dinge ändern sich. Das wusste schon Aristoteles, der schrieb, dass dort wo Meer ist, einst wieder Land sein wird und umgekehrt. Das heißt jedoch nicht, sich den augenblicklichen Klimawandel schönzureden. Anders als alle Klimakatastrophen, die bislang die Erde heimgesucht haben, ist dieser nämlich menschengemacht. Also klar, wo die Verantwortung liegt, oder?

Wer mehr Meer lesen möchte: Dieter Richter: Das Meer. Geschichte der ältesten Landschaft. Berlin 2014.

 

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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