Mit dieser Drohung ist meine Generation groß geworden. Ob meine Eltern als Kinder auch vom göttlichen Blick verfolgt waren, weiß ich nicht. Doch wächst mein Verdacht, dass es sich um einen erzieherischen Trick gerade dieser – selbst überforderten – Kriegskinder-Eltern-Generation handelt.
Ich war als Kind dagegen immun. Obwohl in der Brühler Schlosskirche ein so eindrucksvolles Auge Gottes zu sehen ist, von dem wir schon als Schulkinder wussten, dass das Spiegelrund aufklappbar war, um die Gemeinde von Oben her zu beobachten. Klar, da saß dann nicht Gott, sondern der Kurfürst, sein Stellvertreter auf Erden. Aber der, so wusste ich, war lange tot, also kam von dort keine Gefahr.
Um Gummibärchen oder Schokoküsse würde sich Gott eher nicht kümmern, war meine Ansicht damals. Er hatte schließlich mit den armen Kindern in Afrika oder Indien mehr zu tun. Nicht, um sie zu beobachten, sondern um sie vor dem Tod zu retten. So jedenfalls stellte ich mir das vor.
Heute denke ich manchmal, es könnte auch ein tröstlicher Gedanke sein, dass Gott alles sieht.

Mion 16. April 2016
…vielleicht tut er das ja wirklich…wer weiß das schon….:)
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Myriade 16. April 2016
Wenn es einen Gott gäbe, der alles sieht, was auf der Welt vor sich geht, müßte der aber ein wirklich, wirklich dickes Fell haben
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SätzeundSchätze 17. April 2016
War auch mein Gedanke. Ein Gott, der alles sieht und dazu schweigt, das kann kein lieber sein.
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Stephanie Jaeckel 17. April 2016
Gott mit Fell!? – Schöne Idee 😉 Ansonsten – für Katholiken hat Gott einen Gegenspieler: das Böse. Das heißt, er ist nicht Superman/woman, der/die alles richtet für die Erdenkinder. Wir haben einen freien Willen mit auf den Weg bekommen. Wir sind dran. Nicht Gott. Und wir leben diesbezüglich eben in keiner Diktatur.
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schlingsite 17. April 2016
Der Gedanke Rechenschaft ablegen zu müssen ist manchen vielleicht unangenehm, doch dafür braucht es keinen Gott, das kann man auch vor sich selbst.
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Stephanie Jaeckel 17. April 2016
Rechenschaft ist – so sehe ich das zumindest – eine nötige Haltung. Mir ging es hier eher um den Aspekt des Beobachtens, Spionierens, der schon in der Zeit als ich Kind war mit meiner Vorstellung von Gott kollidierte.
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