Ein Auftritt ist immer spektakulär, denn er lässt mich aus meiner Privatsphäre in die Öffentlichkeit treten. Es gibt Menschen, die machen diesen Schritt mit traumwandlerischer Sicherheit, gleich so, als hätten sie ein Auftrittsgen geerbt, das heißt, mindestens eins. Für weitaus mehr Menschen ist dieser Schritt jedoch mit Schwierigkeiten verbunden, denn wir machen uns sichtbar und auf eine Weise auch angreifbar, wenn wir öffentlich erscheinen.
Doch was ist so anstrengend und außerordentlich, wenn ich mich vor anderen zeige? Stelle ich mich plötzlich in Frage, wenn ich von fremden Augenpaaren angeschaut werde wie von einer ganzen Armee eines schlechten Gewissens? Wird mir hier mehr als in der schützenden Privatheit klar, wie anders mich Menschen sehen können und was an mir missverständlich ist? Erdrücken mich vermeintliche Erwartungen? Fürchte ich enttäuschte Gesichter? Und kann man wirklich nach einem verpatzten Auftritt sein Gesicht verlieren?
Für mich ist dieses Hin- und Hergehen zwischen privat und öffentlich ein rätselhaftes und gleichzeitig forderndes Tun. Es hat womöglich einiges mit Verantwortung zu tun (gegen sich selbst) und einem sehr anderem „In-der-Welt-sein“, als ich das als schüchterne Person bislang vor Augen hatte. Was bedeuten Auftritte Euch? Seid Ihr da selbstverständlich, findet ihr Auftritte (welcher Art auch immer) überflüssig oder eher produktiv? Oder seid Ihr an einem Punkt, an dem Ihr öffentlich oder privat gar nicht mehr so stark unterscheidet?
