Heute Nacht ist meine Mutter gestorben. Friedlich, wie man mir sagte, im Schlaf. Kurios, dass sie mir noch eine Nachricht geschickt hat, so zumindest verstehe ich das, denn ich wurde wach, als sie starb – meine Manie, beim Aufwachen immer gleich auf die Uhr zu sehen, legt diese Zeitgleiche zumindest nah.
Sie war eine so schöne und mutige Frau. Die im Alltag zerbrochen ist. Ich habe sie in vielem erst spät verstanden, wir kamen im Grunde aus anderen Welten, wo sie den Krieg erlebt hatte, war bei mir eine Leerstelle, die ich mit keiner Fantasie der Welt füllen konnte. Ich hätte sie gerne als junge Frau kennen gelernt. Als Mutter war sie oft überfordert, fast schon fahrlässig desinteressiert. Aber sie hat mir gegeben, was sie hatte. Wenn ich alte Fotos sehe, weiß ich, dass sie gute Zeiten erlebt hat. Mein Vater hat sich während ihrer jahrelangen Alzheimer-Krankheit sehr um sie gekümmert. Das war eine Versöhnung, das glaube ich fest, sie haben während der Krankheit als Paar wieder zusammen gefunden. Ich wünsche ihr eine beste Reise, denn für mich ist sie ganz sicher irgendwohin unterwegs. Ahoi Lady! Mit Liebe.

wildgans 22. März 2016
So richtig zu „klunkerdesalltags“ will mir der Eintrag nicht passen.
So heißt nun mal das Blog.
Was mir sehr gefällt, Deine Abgeklärtheit – und dieses prachtvolle Foto einer prachtvollen jungen Frau!
So richtig „Beileid“ aussprechen will ich nicht – habe den Eindruck, Du kommst damit klar.
Beim Tod meiner Mutter entstand in der ersten Zeit danach mein Wille, mir ihr Leben näher zu betrachen, nachträglich. Doch dann kam dieses Zaudern. Ich wollte nicht ZU viel aufwühlen, für mich gut sorgen, das wollte ich, und habe es getan. Und wo der Zorn herkommt, den ich jetzt, nach vier Jahren, empfinde, wenn ich an sie denke, das weiß ich nicht. Ist nicht mehr wichtig, er wird bald verrauchen!
Gruß von Sonja
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Stephanie Jaeckel 22. März 2016
Danke für Deine Rückmeldung. Ich habe tatsächlich mit dem Schreiben gezögert. Aber: Der Tod ist Alltag. Und: Der Tod ist wie die Geburt ein Fest. Keine Ahnung, aber da bin ich mir vollkommen sicher. Daher habe ich den Text geschrieben, zumal ich hier gelegentlich über meine Mutter und ihr Krankheit berichtet habe und es wichtig finde, jetzt auch den Schluss zu erwähnen.
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papiertänzerin 22. März 2016
… danke für das Teilen dieses Abschieds, ein wunderbares Foto deiner Mutter ist das, so wagemutig, lebendig & kraftvoll. Ich glaube auch an diese Reise. Dir sende ich Herzensgrüße in diese Zeit der Veränderung!
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Stephanie Jaeckel 22. März 2016
Danke für Deine Grüße und Wünsche.
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Madame Filigran 22. März 2016
Das Foto ist wunderschön. Ich wünsche auch eine gute Reise.
Und an dich Grüße von Herzen.
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Stephanie Jaeckel 22. März 2016
Das Foto ist wirklich toll. Und die Reise, zumindest haben sie im Heim gleich das Fenster aufgemacht. Das wissen sie also noch. Danke auch für Deine Grüße!
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Maren Wulf 22. März 2016
Liebe Stephanie,
es berührt mich zu lesen, dass deine Eltern in den Jahren der Krankheit als Paar wieder zusammen gefunden haben. Wie schön – und auch: wie wahr! Denn das Herz wird ja nicht dement. Auch von hier ein herzliches Ahoi, für deine Mutter und auch für dich!
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Stephanie Jaeckel 22. März 2016
Liebe Maren, ja, das ist eine so gute Beobachtung, dass das Herz nicht dement wird. Meine Mutter war verwirrt, aber sie hatte einen Blick voller Liebe und Dankbarkeit für alle, die sie gepflegt und besucht haben. Und im Sterben hatte sie eine unendliche Geduld. Danke für Deine Grüße!
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mannigfaltiges 23. März 2016
Ja.
Der Tod ist Alltag.
Und das Sterben ein Umsteigebahnhof oder -hafen für eine neue Reise.
(Die Sache mit Styx und dem Fährmann trifft es m.E. ganz gut.)
Bon Voyage und alles Gute.
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Stephanie Jaeckel 23. März 2016
„Wer einen Fluss überquert, muss die eine Seite verlassen.“ Sagte Gandhi. Gilt sicher immer noch…
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borretsch 23. März 2016
Liebe Stephanie,
danke, dass du dieses Alltagserlebnis mit uns teilst.
Es gehört zum Leben dazu und jeder von uns wird sterben. Nur wann, wissen wir (meist) nicht.
Wir sind Menschen, wir haben, wie alles hier auf der Erde, ein Verfallsdatum.
Deine Mutter spürte dies nur zu gut. Die Angst, vor der eigenen Vergänglichkeit, lähmte sie, Zeit und Liebe in die wichtigsten Menschen, dich und deinen Vater, zu investieren.
Dieser unscheinbare Zeitdruck, beherrscht uns all. Jeder geht damit anders um.
Die Krankheit brachte Reue, über diese versäumte Zeit, mit euch, zum Vorschein.
Wir können uns, unserer alltäglichen Wahrheit nicht entziehen.
Alles schnallst zu uns zurück, wie ein zu weit gespanntes Gummiband.
Ich wünsche dir trotzdem, von Herzen, viel Kraft, deine Mutter für immer loszulassen und sie trotzdem, ganz nah bei dir, im Herzen zu tragen.
Alles Liebe
Mion
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Stephanie Jaeckel 23. März 2016
Alzheimer ist eine schlimme Krankheit. Aber sie gibt den Angehörigen viel Zeit für den Abschied. Das kann auch nervenzehrend sein. Am Ende waren wir alle dünnhäutig, weil es mit meiner Mutter immer und immer noch weiter ging, auch wenn wir das Gefühl hatten, es sei jetzt wirklich genug. Aber sie hatte die Geduld. Und wir sind ihr darin gefolgt. Das war auch eine große Lektion. Sie ist mir in der langen Zeit auch wieder nah gekommen. Weil sie selbst zum Wesentlichen zurückkehrte und zu ihrem eigenen, wirklich reizenden Wesen. Ich bin froh, sie so noch einmal kennengelernt zu haben. In der Krankheit war sie ein Vorbild. Dafür bin ich dankbar.
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dj7o9 23. März 2016
Wirklich schönes Foto. Alles Gute für Dich. Take care!
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Stephanie Jaeckel 23. März 2016
Danke für Deine Wünsche. Und bei dem Foto kann ich als Tochter richtig neidisch werden… Wir haben uns entschlossen, es für die Trauerfeier zu vergrößern.
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Myriade 25. März 2016
Ich schicke herzliche Gedanken …
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Xeniana 13. April 2019
Sie war wunderschön. So eine kraftvolle Austrahlung.
Mein Beileid auch wenn es spät kommt.
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Stephanie Jaeckel 14. April 2019
Danke Dir! Das hört ja nicht auf (dass sie tot ist, dass sie fehlt, aber eben am Ende doch auch ein Vorbild war).
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brigwords 30. März 2022
Eine schöne und ausdrucksstarke Frau!
Wir haben mit unserer Schwiegermutter Ähnliches erlebt, als sie dement wurde. Sie war am Schluss eine absolut liebenswürdige und dankbare Frau, zu welcher mein Mann noch eine innige Beziehung aufbauen konnte. Das war wunderschön und versöhnend für beide.
Liebe Grüsse Brig
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Stephanie Jaeckel 30. März 2022
Eine Lektion, die ich hoffentlich nie, nie mehr vergessen werde: Wie viel wir von uns so genannten „Behinderten“ noch lernen können…
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