Oder ist das überhaupt eine Frage, die Sie umtreibt? – Ich kann mich noch gut an mein ungeheures Staunen erinnern, als Berliner Freunde, die ich für unendlich unkonventionell und cool hielt, in einem Nebensatz die vage Befürchtung äußerten, irgendetwas (habe ich vergessen) an ihrer Lebensweise könne vielleicht als spießig angesehen werden. Ich war wirklich platt. Als Kind und auch als Heranwachsende fand ich mein Zuhause und den Ort, in dem ich wohnte, oberspießig. Aber seit ich in Berlin war, hatte mich dieser Gedanke überhaupt nie mehr gestreift. Und plötzlich tauchte die Idee der Spießigkeit wieder auf! Und jetzt: Bin ich spießig?
Übrigens. Spießbürger sind die wehrhaften Städter, die, die sich selbst verteidigen wollen. Und die, die immer aufs Altbewährte schauen, wollen, das alles so bleibt, wie es ist. Und vielleicht auch noch nie aus der Stadt, die sie als ihre verteidigen, herausgekommen sind. Drogen – habe ich heute in einer Besprechung des neuen Buchs von Stuckrad-Barre gelesen – sind mittlerweile super spießig. Vielleicht ist Spießigkeit auch eine Art Ängstlichkeit oder gar gleich die german „Angst“. Wäre zu überlegen. Und in diesem Sinne vielleicht mit einer großen Erleichterung abzulegen.

Nina Ryschawy 11. März 2016
Nach Deiner Defintion des Spießbürgers, einem der sich selbst verteidigt und keine Veränderungen will, greift Spießigkeit in Deutschland gerade immens um sich. Betrachtet man die Vorkommnisse dann versteht man auch, warum das Wort „Spießer“ so negativ konnotiert ist. Hoffen wir, dass Deutschland es schafft, von seiner Spießigkeit ein wenig abzurücken und etwas cooler zu werden.
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Stephanie Jaeckel 11. März 2016
Ja, komischerweise waren Adlige nicht spießig. Vielleicht, weil sie ein Schwert zur Verteidigung dabei hatten. Und weil sie damit auf Abenteuer aus waren. Natürlich haben sie ihre Burgen auch verteidigt. Aber es war nicht vorrangig das Konzept der Angst oder der Befürchtung. Angst und Befürchtungen sind natürlich nicht von der Hand zu weisen und oft gute Ratgeber. Aber wenn sie den Radius einengen, entweder für mich selbst oder für sehr viele andere, gibt es doch Grund, Bedenken anzumelden.
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Nina Ryschawy 11. März 2016
Dem stimme ich absolut zu.
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wattundmeer 11. März 2016
Drogen sind mittlerweile super spießig? Waren die nicht mal super cool? So cool, wie man garnicht sein wollte? Ich jedenfalls war damals lieber spießig als auf Droge! Das wäre dann heute umgekehrt… Cool.
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Stephanie Jaeckel 11. März 2016
Ja, ich glaube, die Argumentation ging dahin, dass Drogenabhängige immer nur noch auf der Suche nach dem Stoff und dem Kick sind, und damit ein ungeheuer spießiges, weil absehbares Leben führen. Sie suchen den Kick nur bei einer Sache, wo andere vielleicht auch noch mal andere Wege gehen. Sucht wäre damit auch ein Zeichen ungeheurer Spießigkeit. Ich will das nicht klein reden, weil ich viele Menschen kenne, die mit ihren Süchten kämpfen. Aber es wäre vielleicht auch mal ein guter Hinweis, ich meine, um Selbstmitleid zu mindern. Wer ist schon gerne spießig?
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borretsch 11. März 2016
Bin ich nun auch Spießer?
https://unkrautgarten.wordpress.com/2016/03/11/heirloom-erbstuecke/
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