Neulich habe ich ein Flickenkleid genäht. Keins aus Stoff, sondern eins aus Tönen, bzw. aus Zwischentönen. Aus dem, was manchmal zwischen den Tönen, den Wörtern so hängt: Atmer, Atmosphäre aus dem Hintergrund, Lachen, Räuspern, Innehalten. Und dabei fiel mir die Überschrift von einem Kleistschen Text wieder ein (und das von 1805!): Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden. Ja. Der wusste das schon, was ich mir wieder mühsam auserfunden habe: Dass man einfach mal drüber reden sollte, wenn es noch nicht so recht passt. Denn es stimmt tatsächlich, dass einem Gedankengänge, die eben dort, in Gedanken, noch ziemlich planlos dahergehen, beim lauten Sprechen plötzlich in die Reihe flutschen und zu einem guten – oder zumindest ans angepeilte – Ende kommen. Das ist dann auch schon mal der Grund für so manches Selbstgespräch: kannste noch steigern, indem Du eine Fremdsprache wählst (was bei mir ob der oft mangelnden Vokabeln noch zu ganz anderen Ergebnissen führt). Mein Ton-Kleid ist sehr schön geworden. Leicht, fremd, witzig, in der oberen Spur fast meditativ. Eine ganz eigene Atmosphäre. Als könne man etwas unter dem Mikroskop betrachten, was dort völlig verändert, abstrakt ist. Einmal mehr die ganze Welt.

papiertänzerin 17. Februar 2016
… würde ich gern hören, das luftige Kleidchen…
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Stephanie Jaeckel 17. Februar 2016
Na, warten wir mal, bis es Sommer ist, vielleicht gibt es dann sogar eine Aufführung… 😉
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Maren Wulf 17. Februar 2016
Als ich das Bild sah, dachte ich sofort an ein Mikrofon… Einmal mehr eine feine Miniatur, Stephanie! Das Ton-Kleid würde ich zu gern einmal rascheln hören.
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Stephanie Jaeckel 17. Februar 2016
Ja, die Lichter in dem Foto sehen aus wie Tonimpulse – also wenn man einiges an Fantasie aufbringt. Es gibt tatsächlich eine Sequenz, in etwa du-du, du, du — du, die sich direkt als Vorlage anbieten würde. 😉
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