Kunst und Leben

Das Holzrelief ist mittlerweile so seine hundert Jahre alt. Ich habe vergessen, von wem es ist, habe es selbst auch massiv – vor allem farblich – verändert, denn es geht mir nicht um das Werk an sich, sondern um folgendes. Von weitem betrachtet ähnelt diese Holzcollage (zumindest in meinen Augen) einer Tasche. Vielleicht kein elegantes Handtäschchen, eher eine Art Ärztekoffer oder meinetwegen auch einem Handwerkskasten. Sich sein Leben zurechtzimmern, war ein Gedanke, der mir sofort in den Sinn kam. Oder, dass alles zu jedem Moment ein Provisorium ist, wie ich gerade in Henning Mankells Buch „Treibsand“ lese. Vielleicht sollte ich mir mein Leben öfters mal wie so ein zusammengezimmerte Tasche vorstellen, in der ich wohne, herumreise und vielleicht auch verloren gehe, oder von Hand zu Hand weitergereicht werde. Um? Mir der Flüchtigkeit des Lebens, der Bewegung, der Unwägbarkeiten wieder mehr bewusst zu werden. Jeden Tag am Schreibtisch sitzend, die nächsten Wochen im Blick, erscheinen meine Tage oft vorherbestimmt und auf eine Art unverrückbar. Dem aber ist nicht so. Ein Gedanke, der offenbar nicht gut in ein Menschenhirn hineinpasst (aufjedenfallnichtinmeins).

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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