Wären alle auf einmal da, wären wir 17 (wenn ich richtig gezählt habe) und zwei Hunde. Da ist man allein schon wie in einem anderen Film. Das Büro war heute Mittag, als ich kam, still und machte einen auf fantastisch: Als Filmkulisse würde sich der Raum gut geben. Wenn es dämmrig wird, wartet er mit Fata Morganen (?) auf, mit leisem Wispern (von wegen Heizung!) und allerlei Schnurren, die über die Tische schleichen. Unheimlich ist es nicht. Eher, als würde die Zeit gerade still stehen, und sich einzelne Daseinspartikelchen strecken und recken, wo sie sonst stromlinienförmig nach vorne stürzen. Hier und da gibt es Überbleibsel längst realisierter Pläne. Die Architekten haben alte Modelle in den Regalen stehen, am Boden und an den Wänden hier und da Kunst (eigene!), eine Kollegin hat Schuhe aus der letzen Kollektion und Stoffproben für die kommende gehortet, Veranstaltungsplakate kleben an den Zwischenwänden, Demo-CDs liegen herum, eine einzelne Weihnachtskugel baumelt auch nach der Renovierung der Decke noch an einem rostigen Nagel über meinem Tisch. Was ist das eigentlich für ein Geschenk, hier arbeiten zu dürfen!? – Manchmal habe ich echt Knöpfe auf den Augen.

Maren Wulf 30. Dezember 2015
Das hört sich wirklich toll an und sieht auch so aus. Ja, manchmal braucht es ein wenig Abstand oder eine neue Perspektive, um Gutes zu erkennen. 😉
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Stephanie Jaeckel 30. Dezember 2015
Es war einmal eine Freundin zu Besuch, die lange in der Schweiz und dann ein paar Jahre in Montreal gelebt hatte. Sie war platt und meinte, das (= schönes Großraumbüro in alter Fabriketage) wäre anderswo so mitten in der Stadt einfach unbezahlbar. Damals hatte ich auch so ein Aha-Erlebnis und freute mich tagelang (und endlich mal wieder), in Berlin so zu leben, wie ich das tue…
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