Träume: Romane unserer Wirklichkeit?

Als ich gestern aus einem Traum wie einem 1000-Seiten-Wälzer aufwachte, dachte ich, es würde Monate dauern, das Geträumte auch nur annähend aufzuschreiben. Vorausgesetzt die Unmöglichkeit, dass ich mir die Details des Traums allesamt bis zum Ende der Notiz würde merken können. Der Traum verdichtet und verrätselt und ist dabei voll wie das Leben selbst. Manchmal kann ich als Träumende den Handlungen, die eher Vollzüge heißen sollten, weil kaum jemand zu handeln, sondern sich alles auf wundersam unerklärliche Weise zu vollziehen scheint, kaum folgen und auch nur ein Blick auf eine so nie gesehene Landschaft, ein so noch nie gebautes Haus, oder Menschen, die ich weder kenne noch je kennenlernen werde, würde Seiten in Anspruch nehmen. Dreht das Hirn da mal so richtig auf? Wird alles zusammen gemixt, was je durch Gedanken flimmerte? Ist der Traum die künstlerischste und verwegenste Collage der Menschheit – oder zumindest jedes einzelnen Menschen? Träume sind in ihrer Verdichtung tatsächlich so etwas wie Romane – in ihrer merkwürdigen Folg-Losigkeit, ihren labyrinthischen Wegen und Überfüllen gleichzeitig ein Abbild der „ungefilterten“ Realität. Ist ein Traum in diesem Sinn eine Art kontur- oder sinnlos verdichtete Über-Realität? Als Traumdeuterin versage ich nach wie vor. Obwohl sich hier und da ein Aha! ergab und ich mir nichts sehnlicher wünsche, als den Schlüssel zu finden. Denn Träume sind ungemein starke Bilder. Und nicht zu vergessen: Gefühle! Was bloß fange ich mit diesen Schätzen an. Wie geschrieben, an ein Erinnern oder Notieren ist gar nicht zu denken. Aber vielleicht reichen einzeln herausgepickte Momente, um – was bloß? Habt Ihr einen Kompass für Eure Traumwelt? Einen, der funktioniert?

Filed under: Allgemein

von

Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 3

  1. Stephanie Jaeckel 21. November 2015

    Die meisten Träume, an die ich mich erinnere, haben eine Struktur wie ein nach vorne aufklappender Strang (oder wie eine Art Wurm). Sie entwickeln sich nach vorne weiter, meist, indem ich als Träumende unterwegs bin und mich stets weiter bewege, während Episoden oder Menschen nach hinten wegklappen, also nicht mehr auftauchen. Manchmal ändert sich auch der Grund meiner „Reise“ oder es gibt eine unerwartete „Auflösung“ (plötzlich ist der Anlass meiner Reise weg oder hat sich irgendwie erledigt). Es ist eher selten (oder ich erinnere mich nicht), dass ich „komplette“ Träume habe mit einer „Story“, die dann auch irgendwann rund wird.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s