Grundsätzlich messen wir das Leben in der von uns gemachten Zeit, in Jahren, Monaten, Wochen. Doch wenn wir ehrlich sind, ficht uns die Zeit selten an. Ein Tag kann so oft er will 24 Stunden zählen. Kein Tag mag uns vorkommen wie der andere, auch wenn wir in schlimmen Hamsterrad-Zeiten genau das behaupten. Vílem Flusser schlug eine Art Kurve vor, die die Intensität eines Lebens darstellen und eine Biografie schlüssiger begreifen lasse als ein Zeitmaß. Er wies darauf hin, dass die – biologisch vorgegebene – höchste Intensität in der Kindheit jedes Menschen entsteht, und es die Aufgabe beim Älterwerden sei, eine solche Dichte des Lebens zu halten – oder zumindest nicht abzuschlaffen. Schwierig allemal, sich das Wiederholende intensiv zu halten. Aber wahrscheinlich gibt es Tricks (und den angeborenen Vorteil eines schlechten Gedächtnisses…). Flusser sagt später noch: „Wer seine Biografie erzählt, hat nicht gelebt.“Ich bin unschlüssig. Kann – und sollte man – an der Intensität seines Lebens drehen? Und – ja, das dann doch: meine eigene Biografie möchte ich tunlichst nicht schreiben. Lieber immer nach vorne schauen.

papiertänzerin 18. November 2015
… vielleicht nicht an der Intensität, sondern an der Wahrnehmung…?
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