„Auch ein Kind, das in Armut aufwächst, empfindet etwas vom Glanz des Lebens. Das Elend beginnt, wenn die Gewöhnlichkeit über es hereinbricht. Gegen äußere Armut ist das Kindergemüt immun, doch der Lähmung durch die Niedrigkeit der Gesinnungen hat es nichts entgegenzusetzen, es sei denn, ihm gelingt die Flucht in die Träumerei.“
So schreibt Peter Sloterdijk in seinem Tagebuch „Zeilen und Tage“ auf S. 270. Träume als Fluchtort für Kinder, die noch Jahre warten müssen, bevor sie auf den eigenen Beinen der Misere entkommen können – falls sie dann noch Mut für den Aufbruch finden. Träume in diesem Sinn gerade nicht als Schäume, sondern als probates Rückzugsgebiet für die Schwächeren. Oder als eine Art Inkubationszeit für ein wirklich glänzendes Leben – oder zumindest ein eigenes. Warum nicht wieder mehr auf Träume hören? Und vor allem: Kindern den Glanz des Lebens zeigen (als eine wichtige Aufgabe von Erwachsenen).

papiertänzerin 5. November 2015
ja, ja, ja!
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