Letzte Reise

Wann sich ein Mensch aufmacht, sein Leben hinter sich zu lassen, ist auch rückblickend schwer auszumachen. Aber wahrscheinlich gibt es so einen Moment, wo man sich rüstet für die letzte Reise. Meine Mutter möchte nichts essen. Das kann eine vorübergehende Phase sein. Sie ist krank, vielleicht hat sie Schmerzen. Sie öffnet den Mund nicht und die Augen nur selten. Sie scheint zu schlafen. Vielleicht stellt sie sich tot. So wie ich als Kind dachte, wenn ich die Augen schlösse und mich nicht rege, sei ich schon fast nicht mehr da. Nichts essen heißt in anderen Kontexten „fasten“. Bestimmt eine gute Vorbereitung für einen langen Weg. Wenn ich Zeit habe, lege ich mich ins Bett und stehe meiner Mutter bei ihren Vorbereitungen bei. Gut möglich, dass sie noch einmal die Augen aufschlägt und wieder Appetit zeigt. Dann ist es erst später soweit. Jetzt wird mir klar, dass der Aufbruch ein wichtiger Moment sein kann.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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