Als Kunsthistorikerparze verbringe ich einen Teil meiner Arbeitszeit mit dem Schreiben von Künstler/innen-Biografien. Und jedes Mal aufs Neue vergleiche ich das Leben meiner Kandidaten mit dem anderer und vor allem mit meinem eigenen. Wie sehen sie die Welt? Was wollen sie? Wohin verschlägt es sie? Fällt ihnen ihr Tun leicht oder schwer? Sind sie fröhlich? Oder geraten sie auf Abwege? In welchem Moment kommt es zur Verwandlung vom Schüler/innen-Sein zur Künstlerin oder zum Künstler? Gibt es überhaupt solche Momente oder Transformationen oder ist man immer das, was man sowieso schon ist?
Viele dieser Biografien zeichnen Leben von entwurzelten Menschen. Sie treiben durchs Leben und es ist spannend zu sehen, ob und wo sie anwurzeln oder ob sie Nomade/innen bleiben, die Luftwurzeln austreiben oder sich in sich selbst verankern. Wurzeln schlagen – ist das überhaupt noch zeitgemäß? Haben Tiere Wurzeln? Entwurzelte Menschen, das sehe ich immer wieder, suchen eigene Verwurzelungen, das heißt, sie erzählen sich ihr Leben mit neu zugelegten Wurzeln, die sie wie Prothesen anlegen und mit Kleidungsstücken verbergen, oft genug. Oder sie wurzeln in ihrem Werk, das ihr Leben wird. Wie wichtig sind Wurzeln? Und haben wir stets die Möglichkeit, neue zu schlagen? In Träumen treibe ich rastlos durch Landschaften, Städte, quer durch Veranstaltungen, Häuser, unkenntliche Räume. In Träumen habe ich entwurzelte Bäume durch die Luft fliegen sehen und war erleichtert: „Ach, so sieht das aus!“ Wurzeln schlagen?

Myriade 11. August 2015
Sehr interessante Überlegungen.! ! Da muss ich drüber nachdenken
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Stephanie Jaeckel 13. August 2015
Verrätst Du, was Dir durch den Kopf geht?
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