ist im Gegensatz zu Hausaufgaben nie fertig. Wenn etwas bleibt, so meine Einsicht nach vielen Lebensjahren, dann der Spül. Wahlweise die Wäsche, der Kalk in der Dusche, der Staub (nicht nur unter dem Bett). Hausarbeit ist eine unterschätzte Dimension des Lebens. Obwohl sie ständig fällig ist, wird sie gerne ignoriert. Wer sieht sich in der Erinnerung schon beim Bad putzen? Dabei. Wenn ich mir alle Schmutzränder vergegenwärtige, alle Badewannen, Duschvorhänge, Seifenschalen – wie ein Strudel drehen sich die Bilder tiefer in die Zeit. Als Kind, auch noch als Jugendliche habe ich die Hausarbeit unterschätzt. Ich dachte, man könne sie erledigen. Das war ein fataler Denkfehler, der mir endlose Schlechte-Laune-Fronten beschert hat. Christa Wolf spricht von einem „Gewebe der Zeit“, von „alle (den) Handgriffe(n), (… die) mich angeblich von der eigentlichen Arbeit abhalten, und die mich doch, je älter ich werde, jeden Tag aufs neue befriedigen: der kostbare Alltag.“
Zit. n. Christa Wolf, Ein Tag im Jahr 2001-2011, Berlin 2014, S. 20; (kursiv im Original in Anführungsstrichen).

Simmis Mama 5. März 2015
Wie wahr. Deshalb kann man vor Prüfungen auch endlos putzen: da ist immer was da um sich vom Lernen abzulenken.
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Stephanie Jaeckel 5. März 2015
Ha, eigenes und riesiges Kapitel: Vor Prüfungen scheint sich ja der Dreck des Universums stets in den eigenen vier Wände einzunisten. Bleibt aber eine heikle Angelegenheit. Denn manche Prüfungsvorbereitungen ziehen sich über Wochen. Da hilft konsequentes Nicht-Putzen auch nicht. Leben-Arbeit-Hausarbeit-Balancee ist da gefragt 😉
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