Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Wohin mit leuchtenden Leseblitzen und Funken?

Gibt es vielleicht einen Zettelkasten (hu, Brandgefahr…), ein Sammelalbum, eine App gar? Oder so eine schöne Ausstellungsvitrine – ich meine, einen Ort, wo man auch kleine Leseeindrücke, Ideen hinterlassen kann zum Weiterdenken, zum Dagegensein, zum Nachlesen? Oder für Gedankenblitze, die sich nicht so schnell „dingfest“ machen lassen. Von einer Buchbesprechung erwarte ich Stringenz und damit […]

Zwillinge

Als Kind wollte ich unbedingt eins, ein doppeltes Lottchen oder eben einen Zwilling. Als Einzelkind kam mir das fantastisch vor: nicht noch eins sondern ich gleich zweimal. Vier Ohren, vier Augen, vier Hände. Da hätte ich mir besser zu helfen gewusst. Zumindest in meiner Fantasie. Während die eine spielt, kann die andere schon mal Hausaufgaben […]

Neulich

erst schnappte ich eine Frage auf, die mich seitdem umtreibt. Nein, sie schlägt keine große Wellen. Sie erschüttert nicht mein Weltbild. Manchmal taucht sie sogar für eine Weile unter. Um dann plötzlich wieder vor mir zu stehen: „Welcher Tag deines Lebens war bislang der beste?“ – Hm. Ich habe noch nicht geheiratet, habe keine Kinder […]

Wie schnell das geht!

Die Jungvögel hüpfen aus den Nestern und die Neue Nationalgalerie, gerade mal drei Monate geschlossen, wird auch schon lebhaft von der Natur bewuchert. Aus allen Ritzen wachsen Gräser und anderes Grün, Spinnen experimentieren mit neuen Netz-Formen (Platz – und vor allem Ruhe – genug ist ja), der Specht hackt, ganz gegen seine Gewohnheit auf Eisen […]

„Emsiges Ringen führt zum Gelingen“

das ist der Spruch, der sich eingerahmt von roten Rosen über diesem merkwürdigen Arrangement befand, nein! Eindeutig keine Kunst. Es war die Auslage auf einem Trödelmarktstand. Die Katze in der Tasse (Milch vielleicht?) scheint es mit dem Angeln zu versuchen, vielleicht mit dem Angeln von Vögeln. Und schon tun sich Fragen auf. Handelt es sich […]

Hamsterrad

So mag das Diagramm eines systematischen Grüblers aussehen, der sein Problem erst darstellt, bevor er es angeht. Oder ein Pictogramm von Außerirdischen (wozu darf sich jetzt jede/r selbst aussuchen). Am Ende ist es bestimmt wieder Kunst. Aber es hat mich auf der Straße angelacht und mir womöglich mehr Vergnügen gemacht als im Museum. Alltagskunst? Oder […]

Joker

Manchmal wünschte ich mir schon einen super coolen Begleiter, vor allem dann, wenn es plötzlich Fragen hagelt. Klar, es gibt Fragen und Fragen. Aber mein verschrecktes Gemüt hat offenbar keine einzige Prüfung vergessen und sieht sich gleich auf dem Schleudersitz, sobald ein Fragezeichen am Satzende hörbar wird. Selbst wenn mich Reisende im Kiez nach dem […]

Karneval der Kulturen

Wer schon mal nicht mitgefeiert hat und erst am Ende der Party dazu kam, kennt die Situation in der ich mich gestern fand, als ich am Mehringdamm aus der U-Bahn-Station kam. Eben noch in grüner Stille, tauchte ich in ein ausgelassenes Straßenchaos, in ein Geschiebe und Gequatsche, laute Musik, etliche Schnapsleichen am Wegesrand und Müllberge, […]

Grün, soweit das Auge schaut

Ich war heute spazieren. Und habe dem Gras, den Vögeln, den Fröschen und den Mücken beim Wachsen zugehört. Und den Seen beim Funkeln zugeschaut. Soviel grünes Wasser gibt es wahrscheinlich nur noch auf expressionistischen Gemälden. Was soll ich sagen? Ich bin hundemüde. Mit sonnenroter Nase.

Pfingsten: Eines meiner Lieblingswunder

Ich habe keineswegs das, was man eine Sprachbegabung nennt. Schon deshalb war das Gymnasium mit drei Fremdsprachen ein echtes Hindernisrennen für mich. Wie sehr habe ich meine Mitschülerinnen beneidet, die munter in den Grammatikbüchern blätterten, während ich meist nicht mal einen Schimmer hatte, welches Kapitel zu meinem aktuellen Sprachproblem passte. Die Schwierigkeiten sind geblieben, auch […]