Blinder Fleck

Ich denke immer wieder über diesen hilfreichen, aber eben auch schmerzhaft störenden Schutzschild in unserem Innern nach, der Erlebnisse, die zu verstörend sind, unsichtbar macht. Wir könnten vielleicht, und so funktioniert dieser Mechanismus, das Erlebte nicht ertragen. Wir würden beim Anblick blind. Das ist die Furcht, die den Mechanismus auslöst. Gleichzeitig werden wir blind, weil an der Stelle nichts ist. Wir aber spüren, dass da etwas sein müsste. Betriebsblind. Weil die Information fehlt, und wir vielleicht eine entscheidende Erkenntnis nicht – nie – erhalten. Wie kann ich die Schutzschilde deaktivieren? Was käme zum Vorschein? Würde ich ob dieser Erlebnisse wirklich blind? Oder klüger, stärker?

Filed under: Allgemein

von

Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 18

  1. EAB 24. Februar 2022

    Eigentlich ist es ganz einfach: ich kann mir unter diesem „Blinden Fleck“ und den damit verbunden Erklärungen einfach nichts vorstellen. Ich bin nicht intelligent genug es zu verstehen. Versuch es mal mir einfacher Sprache. Das ist kein Witz, ich meine es ernst.

    Gefällt 1 Person

    • Stephanie Jaeckel 24. Februar 2022

      Ach so. Und ja: ich vermische in meinem Betrag auch zwei Dinge: Erstens spreche ich vom „Blinden Fleck“, einer tatsächlichen Gegebenheit in unserer Anatomie, die jedoch im Sprachgebrauch als Metapher verwendet wird. Aus Wikipedia: „Der blinde Fleck, auch Papille oder Mariotte-Fleck genannt, bezeichnet die Stelle des Auges, an der der Sehnerv auf die Netzhaut auftrifft. Beim blinden Fleck ist der Name Programm: Da an der Austrittsstelle des Sehnervs keine lichtempfindlichen Rezeptoren sitzen, ist das Auge an dieser Stelle tatsächlich blind.“ Unser Sehen wird davon allerdings nicht beeinträchtigt, weil unser Gehirn die fehlende (im Übrigen sehr kleine Stelle) mitdenkt, und damit füllt. Als Metapher verwendet bedeutet „Blinder Fleck“ u.a. unbewusste Fehlinterpretationen. Dinge, die wir nicht sehen können, und deshalb falsch interpretieren. Als Foto wiederum habe ich eine Sehhilfe für Sonnenfinsternisse aus der Barockzeit eingestellt. Hier geht es darum, dass wir die Sonne zwar sehen können, aber blind würden, wenn wir direkt und ungeschützt in sie hinein schauen würden. Das bedeutet als Metapher, dass wir das Gesehene nicht aushalten könnten, und darüber blind würden. Einmal geht es also darum, dass wir ohne dafür zu können, Dinge nicht sehen können. Weil unsere Augen so gemacht sind. Im Anderen Fall geht es darum, dass zu krasse Seheindrücke blind machen. Dass wir also uns selbst überlisten müssen, um in das nichtvorhandene Sehfeld einzudringen oder uns schützen müssen, um in grelle Tatsachen zu schauen. Und – ob es das Wert ist… So?

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s