Mit Anlauf ins Stadtschloss

wobei Stadtschloss ja schon halb gelogen ist, aber Humboldt-Forum will ich auch nicht sagen: Die armen Jungs!

Also, nach einer dicken Portion Eis mit noch mehr Sahne in der warmen Berliner Oktober-Sonne bin ich dann endlich mal rein. Autsch, autsch, autsch. Wobei, doch, das Personal da macht volle und tolle Arbeit. Sie stehen alle paar Meter im Foyer und fangen verwirrte Ankömmlinge auf, um sie in die vorgesehenen Richtungen zu schieben. Ohne wäre ich wahrscheinlich sofort umgekehrt.

Zur gediegenen Hässlichkeit des Ganzen will ich eigentlich nix schreiben, außer dass es innen an vielen Ecken auch noch urst billig aussieht. Ich war dann nur in der Ethnologischen Sammlung – doch um die Verhältnisse sofort zu klären: Die enorme Warteschlange stand vor den Fahrstühlen zur Dachterrasse (umsonst und draußen und mit dem enormen Vorteil, dass von da das Schloss gar nicht zu sehen ist…)

In der Sammlung macht es sich vor allem durch Überdimensionierung bemerkbar. Die Ausstellungseinrichter*innen haben deshalb (wie ich vermute) viele Räume wieder eingehaust, also Räume in Räume gebaut, damit man nicht so verloren im gestaltlosen Hellgrau rumsteht. Der Rest ist mit Vitrinen eingerichtet, manche groß wie Schaufenster, mit dem Nachteil, dass sich dahinter kein Laden befindet, in dem die Schönheiten aus der Auslage zu kaufen sind.

Ich fühlte mich wie im Bahnhof, die ganze Atmosphäre hat mir nicht gefallen. Ich werde sicher noch einmal hingehen, und mir in Ruhe alles anschauen. Um ein besseres Urteil zu finden. Ich erinnere mich allerdings noch lebhaft an die Präsentation in Dahlem. Dort standen die Exponate sicher auch nicht optimal, aber wenn ich dort war, tauchte ich in eine Stille, eine Versunkenheit, die sich wie ein langer Schneewittchentraum anfühlte. Erst der Geruch (so ein bisschen nach Schwimmbad)! Für mich war das eine Reise in eine ferne Welt (wenn auch irgendwie nur im Einmachglas).

Dass es wenig Tageslicht in den Räumen gibt, ist vermutlich den Exponaten geschuldet, macht es aber auch nicht besser. Die Mischung aus Erklärungen zur Debatte über die von Europäern entweder kommentarlos oder schlecht bezahlt mitgenommenen Kunstwerke aus den damaligen Kolonien samt einiger, meist ebenfalls in diese Richtung engagierter zeitgenössischer Kunst war mir nix. Allerdings hat für mich die Idee von der Mischung der dort gezeigten Objekte mit Kunst durchaus Potential. Dachte ich vor allem vor den sensationellen Bildern australischer Aborigines, die hier als ethnologische Schaustücke zu sehen sind, während sie anderswo als Kunst kuratiert und ausgestellt werden. Fazit. Nicht mal naja. Eher: geht gar nicht, auch wenn ich merke, dass mir der Schwung zur Empörung längst verloren gegangen ist.

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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