Winter wie lange nicht

An die Zeiten, in denen es in Berlin Stock und Bein gefroren hat, kann ich mich nur noch vage erinnern. Ich habe damals noch studiert, und hatte – ja, im Nachhinein kann ich das nur bedauern – die Nase tief in den Büchern, statt im Schneegestöber. Wenn der Wannsee zugefroren war (in Teilen zumindest), sah ich das gerade mal im Fernsehen, und auf dem Weg zur Uni habe ich Unverständliches vor mich hin geschimpft, weil es kalt war und mühsam voran zu kommen. Ich Dummerchen!

Damals wusste ich noch nicht, dass nicht mal Kälte, Eis und Schnee selbstverständlich sind. Ich friere nicht gerne, und mochte entsprechend lautstark keine Winter. Heute weiß ich es besser. Sogar die Idee der „richtigen“ Kleidung fürs vermeintlich „falsche“ Wetter habe ich mittlerweile verinnerlicht. Wetter ist längst nicht selbstverständlich, und auch, wenn es mir nicht in den Kram passt, ist es so, wie es ist, vermutlich besser als so, wie ich es gerne hätte. Mir dämmert, dass meine Vorstellung (ach was, soweit ging das ja gar nicht, es war mehr so eine Attitüde), die Welt habe sich – zumindest wettertechnisch – an meine Bedürfnisse anzupassen, ganz schön naiv war. Die Folgen erkennen wir heute – und möglicherweise zu spät.

Doch, heute friere ich natürlich auch noch. Ich ziehe aber, bevor ich rausgehe, mehr warme Sachen an. Und ich tue mir nicht mehr leid, weil ich friere. Ich sehe einfach zu, dass ich zügig an mein Ziel komme. Und freue mich, endlich wieder Schnee zu sehen.

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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