Foolish drawings

Kiyomitsu Saito lebt in New York. Ich habe ihn im Internet kennengelernt, wo ich seine „Foolish drawings“ sah, und dann immer wieder anschaute. Auch, wenn ich – sagen wir – nicht unbedingt entzückt war, von dem was ich sah (Saito zeichnet besonders gerne Schaben und Buchstaben), die Zeichnungen prägten sich mir sofort ein. Komischerweise weniger als Zeichnungen, denn als Bildschirmgeflimmer – aber das mag daran liegen, dass ich sie am Computer entdeckte.

Saito hat diese Serie vor Jahren schon begonnen. In sturer Kontinuität fährt er fort, Buchstabenbilder zu zeichnen, kleine Gegenstände, einzelne Körperteile oder Figuren (nicht zuletzt Schaben), die wie durcheinander gewirbelt oder aber (sehr) zufällig angeordnet erscheinen. Ein Mix manchmal wie in einer Schneekugel, dann wieder eine eher karge, dabei wie beiläufige Anordnung, ganz so, als habe Saito beim Telefonieren gezeichnet, oder sonst irgendwie nebenher.

Doch sind seine „Foolish drawings“ mehr, als irgendein Nebenher. Auch, wenn sie so nicht konzipiert sind, könnte man sie als gezeichnete Tagebucheinträge lesen, in denen Saito über die Jahre hin das Großstadtgewimmel dokumentiert. Mit der Ungerührtheit eines innerlich unbeteiligten Forschers, dessen Besessenheit und Distanz zu einem gnadenlosen Blick auf das Gesehene führen. Den Zeichner Saito als Forscher zu verstehen, bietet sich auch deshalb an, weil er wie in einer strengen Versuchsanordnung mit den immer gleichen Elementen arbeitet. Ganz so, als seinen seine „Versuchskaninchen“ (die Buchstaben, Figuren, Gegenstände) stets neuen Situationen ausgesetzt, bzw. bei verschiedenen Tages- oder Nachtzeiten von ihm zeichnerisch festgehalten.

Dabei wird nicht klar, ob das, was wir sehen „foolish“, d.hl dumm, einfältig oder tölpelhaft ist, oder der Zeichner selbst, der nicht anderes kann, als die immer gleichen Bilder zu produzieren. „Foolish“ mag aber auch „naiv“ bedeuten, in dem Sinn, dass der Künstler sich gar keine Mühe gibt, das Gesehene kunstvoll zu arrangieren, weil er uns auf die Banalität – und damit letztlich auf die Trostlosigkeit und zugleich Komik – des Szenarios hinweisen will. Er selbst spricht von einer kindlichen Haltung, die er sich verordnet, um damit die Welt gleichzeitig unvoreingenommen und aus der eigenen Erinnerung heraus zu verstehen. Zu dem Bild schreibt er:

„In my childhood and now, the Hero of justice is a good looking and also it is my longing. I want to deny the common sense concept of adults and create the work with free ideas like children.“

Filed under: Allgemein

von

Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 2

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s