Hölderlin also

Vor 250 Jahren wurde Friedrich Hölderlin geboren, 50 Jahre kann ich mir gerade so vorstellen. Der Rest ist angelesen. Geburtstag hatte er am 20. März, heute war er – also damals am heutigen Tag – 13 Tage alt, natürlich schon getauft, in damaliger Zeit musste man so viele Neugeborene wie möglich vor der Hölle bewahren, die Sterblichkeitsrate von Säuglingen und Müttern lag hoch. Vielleicht schien dem Hölder, wie er sich später nannte, die Sonne ein Willkommen in die Wiege.

Letzten November habe ich mich für einen Auftrag zum ersten Mal umfassend mit Hölderlin beschäftigt. Gestern habe ich zum ersten Mal wirklich Zeit gehabt, mir seine Gedichte anzuschauen. Was für ein Ritt: Ich kann alles lesen, aber ich verstehe wenig. Umso schöner, dass ich gerade Zeit habe. Natürlich werde ich viel lesen müssen. Zuerst die Gedichte wieder und wieder. Und dann auch Interpretationen der Gedichte oder andere Gedichte von Zeitgenossen oder von Pindar und Klopstock, die schon der ganz junge Hölderlin verehrte. Aber mir scheint, die Gedichte wollen mehr. Als wollten sie eher gekaut als gelesen werden. Ich habe mal eins auseinander geschnitten. Jetzt habe ich einen großen Wortsalat, aus dem ich ein neues Gedicht machen will. Mal sehen, was dabei rauskommt…

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 4

  1. Carola 2. April 2020

    Liebe Stephanie,
    gekaut ist gut… ich glaube, das ist es… warst du schon mal in Tübingen? Es ist nicht weit von mir; der Hölderlinturm, also dieser schöne gelbe Turm direkt am Ufer des Neckar, unter alten Weidenbäumen, wo man ihn lange einsperrte, ist wirklich einen Besuch wert… 🙂
    Liebe Grüße!
    Carola
    PS: Passend zu dieser Zeit von Hölderlin: „Wo aber Gefahr ist, da wächst das Rettende auch…“

    Gefällt 1 Person

    • Stephanie Jaeckel 3. April 2020

      Ach, ja, danke für das Zitat! Und: direkt eingesperrt war Hölderlin nicht im Turm. Er lebte bei einer Familie, die sich sehr nett um ihn kümmerte, und es kamen ab und zu auch Freunde, die mit ihm spazieren gingen. Er war sehr verwirrt, man hatte wohl wirklich Sorge, dass er den Weg nicht finden würde. Im Turm war ich nicht, aber ich habe dort die Audio-Führung und die Raumtexte in Leichter Sprache geschrieben. Ich hoffe sehr, bald dort selber mal zu Besuch zu sein.

      Gefällt 2 Personen

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