Licht und Schatten

Aktuell ist Schwarz-Weiß-Sehen vielleicht eine der größten Gefahren neben der Ansteckung mit dem Virus selbst. Wer besorgt ist, neigt zu kräftigen Schattierungen beim Denken. Besonders schön ist es dann natürlich, wenn plötzlich mehr Licht ist.

Ich sitze also gestern am Schreibtisch, drehe meinen Kopf ca. 45° nach links und schaue – blinzele (es ist sehr sonnenhell) – schaue – greife zur Brille: Nanu. Wo früher mal ein Schuppen war – d.h. ein eher hässlicher tannendunkelgrünverwitterter extrem fetter – Schuppen, war jetzt – nichts. Oder besser: blauer Himmel. Ab hier kürze ich ab: Ich dachte nämlich tatsächlich erst, ich hätte Homeoffice-Halluzinationen. Tatsächlich ist die blöde Butze aber weg. Das allerbeste daran: ich habe sie selbst weggeschnippt (nee, den Abriss mussten zum Glück andere machen). Ich habe nämlich seit einigen Monaten eine feuchte Wand. Die Hausverwaltung sah die Ursache in besagtem Schuppen, der meiner Ansicht nach überhaupt nichts mit dem Wasserfleck neben meinem Fenster zu tun hat, aber tatsächlich nach Bauverordnungsregeln zu nah an unserem Haus steht. Manchmal kommt es eben anders. Aber wenn ich gesagt hätte, dass der Schuppen mir Licht nimmt und die Sicht aus meinem Fenster zu jäh enden lässt, wäre sicher nie, nie, nie etwas passiert. Bleibt der Fleck. Aber den bekomme ich auch noch weg.

Jetzt habe ich also tolle Lichtspiele in meiner Küche. Die gehen aber nur mit sorgfältig geputzten Töpfen… – Ich muss ans Bauhaus denken, dort hatten sie die Idee, fortan keine Bilder mehr an die Wände zu hängen, sondern Lichtspiele zu organisieren. Ist abends natürlich weg (also, bei mir). Trotzdem schön.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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