Aufräumen

Ich galt schon als Kind als unordentlich. Nicht, dass mein Zimmer unter einem Berg von Habseligkeiten verschwand. Auch der Schreibtisch blieb meist überschaubar. Aber da war keine Akkuratesse drin. Kein Wille zur Ordnung. Blätter waren abgeknickt, Stoffhunden standen die Haare zu Berge, Filzstifte lagen zwischen den Buntstiften und die Matchboxautos im Körbchen für Gummi-Tiere.

Das hat sich nicht grundsätzlich geändert. Ich lege zwar mittlerweile Aufräumtage ein, damit Dinge wieder zueinander finden. Vor allem Rechnungen müssen auf ein Häufchen oder Bibliotheksbücher aus den Stapeln eigener Bestände heraus gezogen werden, Notizen zu „ihren“ Projekten verteilt, Schmierzettel in den Müll, und was nicht alles.

Gleichzeitig beobachte ich bei mir ein großes Vergnügen, Dinge anzuordnen. Nicht unbedingt, um aufzuräumen. Sondern weil mich ein Gefühl von Stimmigkeit befällt. „Noten und damit Töne zu verteilen“, so hat jemand (und ich könnte mir einen Finger abbeißen, weil mir nicht einfällt, wer) das Komponieren von Musik einmal bezeichnet.

„Kreativität“, dieser Begriff, der mir enorm suspekt ist, könnte vielleicht auch mit einer Art Lust zur An-Ordnung beschrieben werden. Womit längst noch kein Kunstwerk erklärt werden kann – oder auch nur entsteht. Was in den so lustigen Bändchen „Kunst aufräumen“ passiert, ist in dieser Hinsicht natürlich genau das Gegenteil, die Ordnung wird so richtig zerstört, nichts ist mehr an seinem Platz. Vielleicht aber wäre damit ein Aspekt von Kunst – oder auch vom Betrachten von Kunst – klarer zu sehen: dass wir uns nicht nur an Geschmack, sondern an einer Art Stimmigkeit orientieren, nach der wir selbst Welt sehen oder ordnen.

 

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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