Rückschritt

Ich dachte, die Nummer hätte ich hinter mir. Mindestens zwei Jahre lang war ich immer wieder hin und her gerissen zwischen meinem Wunsch, dringend und sofort mindestens drei, am besten sechs Kilo abzunehmen, und der Einsicht, dass Zunehmen in der Mitte des Lebens zu den großen Wahrscheinlichkeiten eines Frauenlebens gehören und damit akzeptiert.

Weihnachten und Geburtstag abgefeiert, passe ich nicht mehr in den Spiegel. Jedenfalls nicht an der Stelle, an der ich normalerweise davor stehe. Alle inneren Alarmglocken schrillen hoch: ABNEHMEN! Verdammt, wie konntest Du Dich so gehen lassen! Kuchen und Torte und dann kein Sport und wenig Bewegung. Wie oft muss ich noch…!?

Ich weiß nicht, wie oft ich da noch durch muss. Das ist vielleicht die einzige Gewissheit, vor der ich gerade stehe. Ich dachte, ich hätte mich mit mir darauf verständigt, dass ich mich um eine gesunde Ernährung bemühe, dass ich mich öfter bewege, als ich Lust dazu habe, und dass ich alles, was dann trotzdem an zusätzlichem Gewicht mit auf die Waage kommt, ohne Lamentieren annehme. Ich habe offensichtlich die Rechnung ohne mein schlechtes Gewissen gemacht. Das mir jetzt lautstark zu verstehen gibt, dass ich zu viel gegessen habe, und also die Abmachung gebrochen. Hm. Soll ich es vertrösten? Soll ich abnehmen und mich dabei blöd fühlen? Soll ich gar nichts machen und mich dabei blöd fühlen? Was meint Ihr?

Filed under: Allgemein

von

Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 24

      • Ulli 30. Januar 2019

        Dich lieb haben wie du bist.
        Ja, ich weiß, das schreibt sich leichter als es ist, aber um was anderes geht es ja nicht.
        Ich habe auch so einen Ziehharmonikakörper, mal breiter, mal schmaler, in den beginnenden Wexeljahren ging es erstmal so richtig in die Breite, fand ich doof. Seit zwei Jahren nehme ich stetig ab, ich bewege mich nicht mehr als vorher, allerdings ernähre ich mich etwas anders, seitdem ich alleine lebe, weniger fettig und süß und Fleisch ist eine Rarität geworden …

        Gefällt 5 Personen

        • Stephanie Jaeckel 30. Januar 2019

          Das ist wohl der Rückschritt: Sich mögen, wenn alles stimmt, ist eben einfacher… Aber vielleicht ist die längere Sicht die Lösung, denn Körper verändern sich über die Zeit. Ich weiß, dass auch meine Mutter, als sie älter wurde, wieder sehr schlank, zeitweise sogar richtig dünn wurde. Bis dahin geht es für mich wahrscheinlich immer wieder von vorne los mit dem weniger essen, mehr bewegen, etc.

          Gefällt 2 Personen

  1. wattundmeer 30. Januar 2019

    Ich bin für Abnehmen und gut fühlen! Hab’s gerade probiert, fühlt sich toll an! Und am Besten auch gleich noch die Einstellung zu Bewegung ändern. Jeden Teller einzeln in die Küche tragen (zum Beispiel). Muss ja nicht gleich Sport sein.

    Und wenn Du gerade Geburtstag hattest (herzlichen Glückwunsch nachträglich!), bist Du dann auch ein Steinbock? Ulrike

    Gefällt 2 Personen

  2. wechselweib 30. Januar 2019

    Mir geht’s wie dir, ich bin am Abnehmen und fühle mich gut damit. Habe mich mit weniger Kilos auch besser gefühlt…
    Ansonsten hatte ich das gleiche Agreement mit mir wie du: gesund ernähren, Sport und die Alterskilos gelassen hinnehmen.
    Habe aber gemerkt, dass ich wegen Stress und nicht aus Genuss zu viel gegessen habe. Werde die Waage als meinen Freund sehen oder es versuchen, der mir zeigt, wenn ich zu wenig auf mich achte.
    So weit mein Stand heute…

    Gefällt 3 Personen

    • Stephanie Jaeckel 30. Januar 2019

      Nee, Zuckerverzicht ist bei mir nicht drin. Ich esse zu gerne Obst, darauf will ich nicht verzichten. Mal sehen, ich denke, ich komme wahrscheinlich gut rum, wenn ich in Stresssituationen erst mal tief Luft hole, statt gleich was zu futtern. Das wäre dann eher eine Konzentrationsübung, statt Fasten (hoffentlich)…

      Gefällt 2 Personen

  3. Jo Wolf 30. Januar 2019

    Was bei mir ganz klappt: 1-3 Big Points machen, die dir nicht so sehr schwer fallen, also beim essen wirksame Veränderungen vornehmen, dass war bei mir zB keinen Zucker mehr in den Kaffee… Schorle statt Limonade und mehr Wasser… sowas…. und als Bewegung was, dass ich auch wirklich mehr als einmal die woche durchziehe… das muss kein „Sport“ sein… jedenfalls nicht mit sportlichem ehrgeiz angegangen werden. ein paar strecken mehr zu fuß gehen statt mit einem gefährt, spaziergang, nordic walking, yoga, schwimmen… und mir erlauben, dass es spaß macht und nicht überanstrengt… für ein paar kilos runter auf die dauer sollte das reichen 🙂 Liebe Grüße, Jo

    Gefällt 2 Personen

    • Stephanie Jaeckel 31. Januar 2019

      Das Doofe ist, dass sich der Körper nach ein paar Jahren daran gewöhnt. Zumindest mein Körper hat das so gemacht. Ich trinke nie Limo, Kaffee immer schwarz, ich esse keine Schokolade, meist auch keine Kekse, selten zu Mittag, ich fahre alles mit dem Rad (in Berlin!), ich gehe schwimmen, skate – nix zu machen. Ich nehme, wenn auch immer nur ein kleines bisschen, zu. Ist eben so. Ich bleibe auch soweit bei allem. Aber es frustriert auf die Dauer ein wenig.

      Gefällt 1 Person

      • wattundmeer 31. Januar 2019

        Liebe Stephanie, Du hast hier ein Thema angesprochen, dass sehr viele umtreibt. Man ist nicht allein… Und daher auch gleich noch ein Tipp von mir: „selten zu Mittag“ – das wäre die Mahlzeit, die nicht dick macht, auch nicht der Kuchen am Nachmittag, alles was Du abends isst, geht auf die Hüften. Aber auch ich weiss, abends Essen passt viel besser in unsere berufliche Zeitplanung. Das ist leider so.

        Gefällt 1 Person

        • Stephanie Jaeckel 31. Januar 2019

          Ja, klar. Das ist ein Problem. Ich bin mittags entweder im Büro oder unterwegs. Da kann ich nicht in Ruhe essen. Ich möchte ja auch selbst kochen. Du hast Recht, hier könnte ich etwas ändern, aber das ginge dann an den Kern meines Lebensgefühls, das kann ich mir – zumindest jetzt, wo ich voll arbeite – nicht vorstellen. Aber danke für den Tipp – vielleicht eben auch ein Grund, warum es nicht so klappt…

          Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s