Reset

oder: Gehen Sie zurück auf Los! Puh, nee. Das ist kein schöner Moment, wenn einem das gesagt wird oder mit großen Leuchtbuchstaben hinter der eigenen Stirn erscheint. Nochmal von vorne, nochmal neu anfangen. Alles, was bis hierher schon fertig schien, über den Haufen werfen. Bääähhhh!

Warum eigentlich? Ich meine Bääähhhh. Mal vom ewigen Zeitverlust abgesehen, unsere Uhren ticken ja unaufhörlich, egal ob im beruflichen oder privaten Leben. Nochmal von vorne: Das ist die Strafrunde. Denken wir. Fühlen wir. Oft genug schmerzlich. Und dann erst dieses vernichtende Gefühl: alles für die Katz‘. Wer die Scherben eines ersten Versuchs zusammenkehrt, kennt wahrscheinlich das Gefühl, versagt zu haben oder nicht gut genug gewesen zu sein.

Das, ja, ist falsch und richtig zugleich. Weil, nichts ist so linear, wie uns unsere Uhren und Kalender zu verstehen geben. Im Kreis drehen, das war die Bewegungsrichtung vor der Aufklärung. Und auch, wenn uns das als Krone der Schöpfung vielleicht missfällt, es entspricht mehr unserer Ausstattung und unserem Wesen, als wir gemeinhin denken. Schon in der Schule wird uns Wiederholung oder nochmal neu anfangen als Strafe oder Demütigung verkauft. Es war eben nicht gut genug.

Meine Erfahrung mit einem Reset ist die: Alles kann besser. Niemand vergibt sich was, noch einmal von vorne anzufangen. Was mich zuerst schockiert hat: Wie jetzt? Das war doch (zum Beispiel) so ein guter Text. Wie kann es möglich sein, dass – !? Ist einfach so. Und indem ich eine Arbeit noch einmal aufriffele, sehe ich meine Arbeitsschritte und erkenne, wo Alternativen waren oder wie ich von hier oder dort auch anders hätte weitermachen können. Ein großer Zugewinn. Auch bei anderen Sachen: Es gibt immer zwei oder drei Möglichkeiten, die ich oft (aus Zeitmangel) gar nicht in Erwägung ziehe.

Auch den eigenen Alltag auf Reset zu stellen, kann gute Überraschungen parat haben. Sollte man nicht so häufig machen. Denn eingeübte und bewährte Strategien habe durchaus Sinn. Und erleichtern sehr viel. Doch wenn ich es schaffe, dem ewigen Zeitdiktat mal ein Schnippchen zu schlagen und mich eben doch mal auf neue Pfade begebe, hat das bislang noch nie wirkliche Katastrophen nach sich gezogen. Im Gegenteil.

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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