Nachtrag

Was ist eigentlich in uns gefahren?, möchte ich immer wieder fragen, wenn ich die aktuellen politischen Debatten und immer härter werdenden Auseinandersetzungen sehe. Weltweit – naja, soweit meine Augen da so reichen (die Sicht ist begrenzt).

Der Streit wird schon länger nicht mehr mit rationalen Argumenten ausgetragen, so lese ich heute auf Spiegel-online im Zusammenhang mit der geplanten Gas-Pipeline aus Russland, und sei „inzwischen so aufgeladen, dass er Deutschlands Ruf in der EU beschädigt.“

Politisch zu denken, gelegentlich dabei auch anzuecken, meinetwegen auch eigene, nationale Ziele zu verfolgen, Fehler zu machen, das über Jahrhunderte geübte Handeln steht mit einem Mal zur Disposition. Befindlichkeiten, Gefühle rutschen in eine Sphäre, die bislang – wenn auch nicht ausschließlich – mit dem Verstand „regiert“ wurde. Dass Herz und Verstand auch im Politischen einen Platz haben können: geschenkt. Oder: Warum nicht? Aber die Alternativlosigkeit, die sich gerade darin zeigt, politische Fragen nur noch gefühlt zu diskutieren, erschreckt mich zutiefst. Eine aktuelle Analyse zu diesem Trend kommt von Martha Nussbaum: The monarchy of fear. Das Buch ist, soweit ich gesehen habe, mittlerweile auch auf Deutsch erschienen.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 12

    • Stephanie Jaeckel 15. Januar 2019

      Ja, wahrscheinlich geht es so. Aber: Wieso denken wir automatisch, die Probleme seien kaum noch zu lösen? Hier fängt doch die Angstmache schon an. Gefährlich war das Leben auf der Erde schon immer. Aber wir tun so, als wenn das für uns nicht nicht mehr gilt. Wie sind wir darauf gekommen? Dass es Sicherheiten gibt. Für welchen kleinen Prozentsatz der Menschheit auch immer…

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      • Ulli 15. Januar 2019

        Ich denke es deswegen, weil diese Probleme nur von ALLEN gelöst werden können, aber ich sehe die Bereitschaft nicht dazu, sich an den runden Tischen zu treffen, ohne den eigenen Vorteil dabei im Auge zu haben. Ganz persönlich sehe ich viele Möglichkeiten, mit ihnen nähre ich meine Zuversicht, dass die Mnschen doch noch lernen umzudenken, weg von Wachstum auf Deubel komm raus und Profit für einige wenige.

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        • Stephanie Jaeckel 15. Januar 2019

          Dass wir alle gemeinsam eine Lösung finden müssen, gehört nach meiner Ansicht zu den gravierenden Denkfehlern. Denn hier zeigt sich, dass niemand Mut hat, den ersten Schritt alleine zu gehen. Natürlich birgt das Gefahren. Zum Beispiel – im Kleinen – für geleistete Arbeit mehr zu verlangen, als den Mindestlohn. Argument: das macht ja sonst keiner, wir werden untergehen. Lieber beuten wir unsere (meist freien) Mitarbeiter/innen weiter aus. Das ist so haarsträubend, dass es kracht. Und – !?

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          • Ulli 15. Januar 2019

            In Bezug auf Meere, Klima und sauberer Luft denke ich an alle, somit nicht bei allen Themen, da habe ich mich ungenau ausgedrückt.

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      • Stephanie Jaeckel 16. Januar 2019

        Überfordert sind wir. Ob das die Globalisierung ist? Ja, zusammen mit der weiterentwickelten Technologie und der verdammten Gleichzeitigkeit, mit der wir armen, schlafbedürftigen Kreaturen natürlich nicht so gut rumkommen, wie wir das gerne hätten, sicherlich. Dennoch hängt auch da nicht alles dran. Ich sehe, wohin ich schaue, zu viel Profitgier in den Augen. Und viele andere Missstände, aber immer wieder diese Gier…

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        • finbarsgift 16. Januar 2019

          Ja, die Gier ist echt krass …
          Allein 800.000 SUV wurden letztes Jahr hierzulande neu verkauft, welch Wahnsinn, die Leute verschulden sich wie verrückt, jagen ihrer maßlosen Gier hinterher und bleiben dann, irgendwann, schuldenniedergedrückt halbtot am Boden liegen …
          Opfer der Globalisierung und der damit zusammenhängenden maßlosen Geschäftemacherei der Werbungsmacher und Giererzeuger und Po-litiker und Wirtschaftsbosse, selbst gierig ohne Ende, selbst als Millionäre und Milliardäre noch!

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    • wechselweib 15. Januar 2019

      Eure Diskussion hat mich sehr inspiriert. Als Geschichtslehrerin sehe ich alles in allem doch eine Entwicklung zum Positiven, wenn ich mir zum Beispiel Europa angucke. Die EU ist trotz aller Probleme doch der Weg in die richtige Richtung, wenn man sich die Geschichte Europas anguckt.

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      • Stephanie Jaeckel 16. Januar 2019

        Ja, eindeutig. Ich sehe viel Positives. Europa ist tatsächlich ein Segen, auch wenn dieses Konstrukt eine Art Retortenbaby ist, und viel zu verbessern wäre. Politik muss von jeder Generation neu gedacht und angewendet werden. Das ist wahrscheinlich das Schwierige. Wir kommen nie irgendwo an, sondern müssen immer wieder bei Null (oder Eins, Zwei, Drei) anfangen. Aber wozu bitteschön haben wir unsere klugen Köpfe?

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