Alltag im Advent

Hier kommt mein zweiter Beitrag zu der von Ulli (s. Alltag, eine Idee ) initiierten Blogparade. Mir fällt auf, dass mein Alltag kalenderabhängig ist, und kein Alltag steht für mich so weit heraus wie der im Dezember, der Vorweihnachtszeit.

Obwohl sich das Wetter meist ins grau-schmuddelige einpendelt, ist eine besondere Stimmung in der Stadt. Viel Hektik, die mir nicht so gefällt, auch Weihnachtsmärkten kann ich nichts abgewinnen, im Gegenteil: sie verstopfen die meisten schönen Plätze der Stadt und ehrlich: diese immer gleich aussehenden Buden mit Firlefanz im Angebot – nix für mich. Auf der anderen Seite ist jetzt viel mehr Licht als sonst in der Dunkelheit. Viele schmücken ihre Fenster. Und alle wissen, bald sind Ferien, oder zumindest Feiertage. 

Im Dezember gibt es Weihnachtsfeiern. Ich habe mir angewöhnt, nur zu solchen zu gehen, die mir auch Spass machen. Und hier gibt es viele Begegnungen und hier und da auch mal Zeit, mit Kolleg/innen zu sprechen, die unter dem Jahr nicht übrig ist. Entsprechend stehe ich öfters in der Küche, um Kuchen zu backen. Nicht gerade meine Stärke, aber je älter ich werde, desto mutiger zeige ich mich am Herd, und desto überzeugender fallen meine Experimente aus. 

Meist schaffe ich es im Dezember, nochmal in die Philharmonie zu gehen, wie mir scheint, holen sie in dem letzten Monat des Jahres auch besonders gute Leute. In diesem Zusammenhang kann ich nur auf das sensationelle Cuarteto Casals hinweisen, das am 13. Dezember mit einem weiteren Beethoven-Programm in der „kleinen Philharmonie“ gastiert. 

Beruflich ist der Dezember oft eine enorme Herausforderung. Auftraggeber können noch letzte bewilligte Gelder ausgeben, es hagelt – zumindest im musealen Bereich – Aufträge. Insofern kann ich mich an kaum einen Dezember erinnern, in dem ich keinen vollen Schreibtisch habe. Meist arbeite ich sogar an den Feiertagen. Ich habe mich daran gewöhnt. Und weil ich eh keine Winter-Verreiserin bin, macht es mir auch nicht so viel aus. 

Adventssonntage sind dennoch besonders. Während mich im November stets eine leichte Melancholie befällt, habe ich im Dezember eher einen klareren Blick auf das, was im fast vergangenen Jahr los war und was im neuen anstehen könnte. Der Dezember ist für mich ein Monat, Bilanz zu ziehen. Keineswegs strategisch mit Stift in der Hand vor einem Blatt Papier. Eher, als wenn die vergangenen Monate unmerklich Revue passieren und ich mir die Zeit nehme, meine Schlüsse daraus zu ziehen, mich zu freuen oder Ideen fürs Bessermachen zu entwickeln.

Der Dezember ist auch die Zeit, nach kleinen Geschenken auf die Jagd zu gehen. Nix spektakuläres, wie ich bereits schrieb. Hier suche ich eher nach Kleinigkeiten, die den Beschenkten hoffentlich Freude bereiten. Die Abende werden lang und länger. Jeden Dezember staune ich aufs Neue, wie früh es dunkel werden kann. Ich gucke mittlerweile mehr Filme, dem Computer sei Dank, und hole ein wenig auf, dort wo ich beim Kino-Gehen immer restlos hinterherhinke (dieses Jahr habe ich genau zwei Filme in Kinos gesehen…). Bücher sind in diesem Dezember nicht so meins, meine Augen sind mittlerweile so schlecht, dass Lesen im Dunkeln extrem anstrengend ist (ja, die neue Brille ist auch so eine Vision fürs kommende Jahr).

Wahrscheinlich ist der Dezember auch einer der Monate, in dem ich am meisten Kaffee trinke (jetzt gerne mit Zimt und Kardamom). Insofern ein guter Monat für eine arbeitsintensive Zeit mit ein paar großen Feiertagen mittendrin.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 5

  1. Ulli 2. Dezember 2018

    Da teilen wir eine ganze Menge im Dezember, nur den Schreibtisch nicht, aber Überstunden schon.
    Du hast mit deinem Beitrag zum Projekt eine Facette hinzugefügt, die mir auch aufgefallen ist: der Alltag, der mit der Jahreszeit schwingt. Bei mir gehört auch immer ein großer Hausputz dazu, den ich wohl in der nächsten Woche machen werde, damit wieder alles frisch duftet und glänzt, wenn dann die Wintersonnenwende kommt.
    Herzlichen Dank für deins und liebe Grüße
    Ulli

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