Leben ohne zu Hause

Eben habe ich auf dem Berliner Hauptbahnhof einen Journalisten-Kollegen getroffen. An sich keine große Sache. Nur der Ort war – nun, erst mal auch nicht ungewöhnlich: Eines dieser Bahnhofscafés, wo man noch schnell etwas bestellt, um es mit in den Zug zu nehmen, oder vorher zu futtern oder zu trinken. Der Mann hatte keinen Koffer dabei, dafür eine große Aktentasche. Er suchte eine Steckdose, da nur an meinem Tisch eine für seine Kabellänge erreichbar war, fragte er, ob er sich dazusetzen könne. Wir kamen ins Gespräch. Er stellte sich als syrischer Journalist vor. Wir haben eine Weile miteinander geredet – mich interessierte natürlich, wie er sich hier in Deutschland fühle (dankbar, übrigens) – bis ich begriff, dass dieses Café sein Büro war. Er lebt in einer Flüchtlingsunterkunft, zum Arbeiten kommt er ins Café. Klar, würde ich wahrscheinlich sogar auch so machen. Aber was für ein anstrengendes Leben!

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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