Wasserwelt

Jahrelang hatte ich einen Traum, der sich endlos zu wiederholen schien, nein, es war vielmehr ein Traumschnipsel, der immer wieder in größeren Sequenzen auftauchte, in immer neuen Varianten daher kam und immer einen glücklichen Moment versprach:

Ich stehe am Rand eines leeren Schwimmbeckens. Die Wasserfläche ist spiegelglatt. Ich springe hinein und bin von Blau umgeben. Ich schwimme, ich tauche, ich bin frei, ich bin eine Fischfrau.

Jahrelang dachte ich, ich könne nicht schwimmen. Schon mit vier habe ich gelernt, mich paddelnd über Wasser zu halten. Meine Eltern sind jedes Jahr mit mir an die Nordsee gefahren. Ich war quasi immer im Meer. Und kam offenbar gut zurecht mit der oft ruppigen Brandung. Als ich in den Schwimmunterricht kam, folgte die große Überraschung: Schwimmen wurde zum Wettschwimmen – für mich eine endlose Enttäuschung. Mein Vater „trainierte“ mich über Jahre jeden Samstag – eine Tortour. Ich bekam Angst vor dem Wasser, ich konnte nicht mehr richtig schwimmen, vermied es, wo es nur ging. Als ich endlich aus der Schule war, bin ich nie mehr freiwillig ins Schwimmbad gegangen. Ins Freibad schon – aber nicht, um zu schwimmen.

Neulich in Luxemburg bin ich aus Neugier mit meiner Freundin zur Wassergymnastik gegangen. Das hat sogar Spass gemacht, obwohl mir die Schlagermusik ziemlich zugesetzt hat. Als die Stunde vorbei war, stiegen alle aus dem Wasser. Das Becken war mit einem Mal frei und ich hatte es ganz für mich alleine. Es war spiegelglatt. Und ich bin vom Rand reingesprungen.

Seitdem gehe ich wieder regelmäßig schwimmen. Mal hier mal da. Noch habe ich kein „Schwimm-Zuhause“ gefunden. Aber es gefällt mir auch so schon ganz gut. Zumal jetzt erst mal der Sommer vor der Tür steht, und an Seen hier im Berliner Umland nun wirklich kein Mangel ist.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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